Ungeouteten Schwulen um 34.000 Euro erpresst

Prozess in Hannover: Haftstrafen für die beiden Angeklagten

Justitia
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In Hannover wurden zwei Mitglieder einer Erpresserbande zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, die ihre Opfer über die schwule Dating-Plattform PlanetRomeo gefunden hatten. Das Urteil des Jugendschöffengericht Hannover ist noch nicht rechtskräftig, es gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.

Wer nicht zahlt, wird geoutet

Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, haben sich die drei Männer zwischen 21 und 25 Jahren auf ungeoutete schwule und bisexuelle Männer spezialisiert. Sie drohten ihnen, Ehefrauen, Arbeitgebern oder Angehörigen von ihrer sexuellen Orientierung zu erzählen, wenn sie nicht zahlen würden.

Zuletzt zahlte ein 49-jähriger Postangestellter aus Brandenburg dem Trio insgesamt 33.700 Euro Schweigegeld. Der Mann bestellte sich der Staatsanwaltschaft zufolge am 20. Jänner die beiden Angeklagten als Escorts in ein Hotelzimmer. Vor Ort konnten sich die Beteiligten nicht über die Dienstleistungen einigen.

Opfer nahm Kredite auf, um das Schweigegeld zu bezahlen

Daraufhin hätten die beiden Angeklagten und der Bruder eines der Angeklagten den Brandenburger mehrmals angerufen und ihn zur Zahlung von Schweigegeld aufgefordert. Sie drohten, der Ehefrau des Mannes von seiner Homosexualität zu erzählen und seiner Familie zu sagen, dass er sexuelle Kontakte zu kleinen Burschen habe.

Der verheiratete Vater einer Tochter nahm sogar Kredite auf, dass die Drei ihn vor seiner Frau nicht outeten. Die letzte Geldforderung erfolgte am 18. Februar auf einem Autohof. Das Geld musste der Angeklagte auf verschiedene Konten einzahlen, auf die das Trio Zugriff hatte. Als er nicht mehr zahlen konnte, zeigte er das Trio an. Seine Ehefrau hat sich in Folge von dem Postangestellten getrennt.

Weitere Prozesse könnten folgen

Zu den weiteren Opfern sollen ein Arzt und ein Binnenschiffer gehören. Von ihnen soll das Trio insgesamt über 20.000 Euro erpresst haben. Diese Fälle werden noch verhandelt.

Für die Erpressung des Postangestellten wurde der 27-jährige Senaton Z. zu zwei Jahren Haft verurteilt. Sein Komplize, der 21 Jahre alte Roberto I. muss für drei Jahre ins Gefängnis. Der 25-jährige Bruder von Senaton Z. muss sich zu einem späteren Zeitpunkt vor Gericht verantworten. Er wurde erst vor kurzem gefasst und sitzt noch in U-Haft.