Dieses Wochenende Intersex-Tagung in Wien

International besetzte Tagung und Rahmenprogramm in der Bundeshauptstadt

Logo der Intersex-Konferenz
VIMÖ

Wien ist in diesen Tagen das Zentrum der europäischen Intersex-Bewegung: So findet am Wochenende eine Konferenz zum Thema Intergeschlechtlichkeit samt umfangreichem Begleitprogramm statt.

Konferenz mit Vortragenden aus ganz Europa und des USA am Samstag im Rathaus

Intergeschlechtlichkeit ist ein in Europa und Österreich immer noch tabuisiertes Thema. Darunter versteht man Menschen, deren geschlechtliche Diversität mit den klassischen Vorstellungen von „Mann“ und „Frau“ übereinstimmt. Äußere oder innere Geschlechtsmerkmale, Hormone oder Geschlechtschromosomen können sich vom Bild eines rein „männlichen“ oder „weiblichen“ Körpers unterscheiden.

„Intergeschlechtliche Menschen waren viel zu lange unsichtbar – das verändern wir“, erklärt Tobias Humer vom Verein intergeschlechtlicher Menschen Österreich (VIMÖ). Von Freitag bis Sonntag findet in Wien das weltweit erste Community-Event von Mitgliedern des Europäischen Intersex-Dachverbands OII Europe statt.

Den Höhepunkt bildet eine öffentliche Konferenz am Samstag im Wiener Rathaus, zu der Vortragende aus ganz Europa und den USA anreisen. Ziel der Tagung ist die Sichtbarmachung von Intergeschlechtlichkeit in Österreich. „Eine Politik, die eine inklusive Gesellschaft anstrebt, muss sich auch mit den Bedürfnissen intergeschlechtlicher Menschen auseinandersetzen“, so Humer.

Noch immer Zwangsoperationen – auch in mehr als 20 EU-Staaten

Aktuelle Studien zeigen, dass trotz erhöhter medialer Aufmerksamkeit die Zwangsoperationen an intergeschlechtlichen Menschen nicht abnehmen. So finden in mehr als 20 EU-Staaten noch immer Operationen und Behandlungen an intergeschlechtlichen Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen statt.

Anstatt Intergeschlechtlichkeit als natürliche Variation des Geschlechts anzuerkennen, werden Menschen mit gesunden Körpern weiterhin für krank erklärt. Das sei menschenrechtswidrig, erklärt Tinou Ponzer, Vize-Obmensch bei VIMÖ: „Geschlechtsverändernde Eingriffe an intergeschlechtlichen Menschen, die nicht vollkommen und umfassend aufgeklärt zustimmen können, stellen eine Verletzung der körperlichen Integrität dar und sind vehement abzulehnen.“

Bioethikkommission des Bundeskanzleramts will in den nächsten Wochen entscheiden

In Österreich befasst sich zur Zeit die Bioethikkommission des Bundeskanzleramts mit der Thematik. Eine Stellungnahme wird in den nächsten Wochen erwartet. Sie gilt als richtungsweisend für die zukünftige gesetzliche Behandlung. Eine Forderung des VIMÖ in diesem Zusammengang ist die rechtliche Anerkennung von intergeschlechtlichen Menschen und umfassender Schutz vor Diskriminierung.

„Es war längst überfällig, dass sich auch in Österreich ein Fachgremium mit dem Thema auseinandersetzt. Vergleichbare Stellen in Deutschland und der Schweiz haben das bereits vor Jahren gemacht“, so Eva Matt, Juristin der Plattform Intersex.

Die Intersex Conference Vienna 2017 wird in Kooperation vom VIMÖ, der Plattform Intersex, der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen (WASt) und OII Europe veranstaltet. Sieknüpft an die erfolgreichen Tagungen in Salzburg 2014 sowie in Wien 2015 an.