Air Berlin ist insolvent: Was passiert mit Flügen zu Folsom?

Die Community hat sich für das Fest im September schon Tickets besorgt - und ist nun beunruhigt

Air Berlin
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Es war gegen 13.00 Uhr, als die Schockmeldung in die Redaktionen kam: Die deutsche Fluglinie Air Berlin hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Aber was bedeutet das nun für alle, die bei Air Berlin Tickets gekauft haben, zum Beispiel für das bekannte Fetisch-Straßenfest Folsom Europe am 9. September?

Kein Geld für Air Berlin mehr aus den Emiraten

Medieninformationen zufolge hatte sich die arabische Fluglinie Etihad geweigert, Air Berlin weitere Kredite zur Verfügung gestellt. Daraufhin sei man „zu dem Ergebnis gekommen, dass für die Air Berlin PLC keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht“, heißt es in einer Aussendung der Fluglinie.

Das Geschäft von Airberlin habe sich „in einer beispiellosen Geschwindigkeit verschlechtert“, bestätigt auch Etihad. Normalerweise heißt die Insolvenz einer Fluglinie, dass alle Flüge gestrichen werden und die Flugzeuge sofort am Boden bleiben.

Bundesregierung sichert Flugbetrieb

Doch bei Air Berlin scheint das anders zu sein: Denn das Unternehmen, das unter anderem mit seinem Konkurrenten Lufthansa und anderen Interessenten in Übernahmegesprächen ist, hat einen durch eine Bundesbürgschaft abgesicherten Kredit in der Höhe von 150 Millionen Euro bekommen.

Dieser soll den Betrieb von Air Berlin und dessen Ferienflieger NIKI für die nächsten drei Monate in vollem Umfang sichern, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium in Berlin. Dass dieser Betrag allerdings drei Monate reicht, wird in der Branche bezweifelt. Abgesichert ist er praktisch durch die Start- und Landerechte von Air Berlin.

In diesem Zeitraum sollen die Verhandlungen mit Interessenten abgeschlossen werden. Neben der Lufthansa soll auch Easyjet Interesse an Teilen der Air Berlin haben.

Gebuchte Tickets bleiben gültig, Flüge sollen wie geplant stattfinden

„Gebuchte Tickets behalten ihre Gültigkeit. Auch weiterhin sind Flüge buchbar“, so Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries von der SPD. Nach heutigem Stand heißt das, dass für die kommenden drei Monate Flüge von und nach Berlin mit der zweitgrößten deutschen Fluglinie gesichert sind.

Das betrifft damit offensichtlich auch Flüge zu Folsom Europe: Das Fetisch-Spektakel findet von 6.-10. September in der deutschen Hauptstadt statt und zieht Besucher aus ganz Europa an.

Viele von ihnen haben schon einen Flug bei Air Berlin gebucht und sind jetzt in Sorge um ihre Verbindung. Sie dürften den Flug noch absolvieren können. Davon, jetzt noch Tickets von Air Berlin zu buchen, raten Konsumentenschützer allerdings – entgegen der Beteuerungen der Ministerin – ab.

Insolvenzverfahren ist der Beginn eines erwarteten Endes

Air Berlin schreibt seit 2008 rote Zahlen. Ausnahme war nur das Jahr 2012, als durch den Verkauf des eigenen Vielfliegerprogramms an Etihad bescheidene 6,8 Millionen Euro Gewinn ausgewiesen werden konnten. Im vergangenen Jahr betrug der Verlust rund 782 Millionen Euro, der Schuldenberg wuchs auf knapp 1,2 Milliarden Euro. Jahrelang hielt der arabische Großaktionär Etihad, der 29,2 Prozent der Anteile besitzt, die Airline mit Finanzspritzen in der Luft.

Wie es mit den 8.600 Mitarbeitern weitergeht, ist noch nicht klar – ihr Schicksal hängt auch vom Verlauf der Verkaufsverhandlungen ab. „Ich gehe davon aus, dass zumindest ein Teil der Arbeitsplätze in Gefahr ist“, fürchtet der Berliner Arbeitssenatorin Elke Breitenbach von den Linken.