Schwules Paar in Tram verprügelt: Bewährungsstrafen für Pärchen

Das Paar beschimpfte und schlug ihre Opfer in einer Berliner Straßenbahn

Mutmaßliche Täter (verpixelt)
Polizei Berlin

In Berlin wurden am Montag ein Mann und eine Frau, die ein schwules Paar in einer Straßenbahn angegriffen haben, zu einer bedingten Haftstrafe und Schadenersatz verurteilt. Vor Gericht entschuldigten sie sich bei dem Paar.

Betrunken lästerte das Pärchen über Schwule – und schlug dann zu

Es war am 4. März dieses Jahres gegen 1.45 Uhr in der Früh, als sich der 33-jährige Mariusz G. und seine Verlobte, die vier Jahre jüngere Weronika D., in einer Straßenbahn der Linie M10 lautstark auf Polnisch abfällig über Schwule äußerten. Das hörte – und verstand – der 39-jährige Pawel S., der mit seinem zwei Jahre älteren Mann gerade auf dem Heimweg war.

Kurz vor der U-Bahn-Station Bernauer Straße stellte Pawel S. seine Landsleute deshalb zur Rede. Als Reaktion schlug Mariusz G. dem Museumsführer mindestens sieben Mal mit der Faust ins Gesicht. Dann schlug ihm Weronika D. mit einer Flasche auf den Kopf.

Sieben Wochen nach dem Überfall veröffentlichte die Polizei Überwachungsbilder aus den Kameras der Straßenbahn. Daraufhin stellten sich Mariusz G. und Weronika D. der Polizei.

Die Entschuldigung klang für die Opfer nicht sehr glaubhaft – trotzdem nahmen sie sie an

Vor Gericht bestritten die beiden Angeklagten, mit ihren homophoben Beschimpfungen das Opfer und seinen Mann gemeint zu haben. Sie entschuldigten sich auch bei ihren Opfern. Pawel S. und sein aus Polen angereister Partner nahmen diese Entschuldigung an – auch, wenn sie nicht von deren Ehrlichkeit überzeugt waren.

Das Gericht verurteilte Mariusz G. und Weronika D. schließlich zu 1.000 Euro Schmerzensgeld und Bewährungsstrafen von zehn beziehungsweise acht Monaten wegen Körperverletzung. Als mildernde Gründe sah der Richter, dass das Pärchen zur Tatzeit alkoholisiert war – und sich die beiden gleich gemeldet hatten, als die Fahndungsfotos veröffentlicht wurden.

Die beiden Opfer lobten während des Prozesses auch die Toleranz in Berlin. Sie sagten, bei einem ähnlichen Vorfall in ihrer Heimat Polen hätten sie gleich die Flucht ergriffen.