Berlin: Gewalt gegen Trans-Sexarbeiterinnen eskaliert

Männergruppen fahren am Wochenende zum "Transen klatschen" an den Straßenstrich

Symbolbild: Prostitution
Symbolbild - Adobe Stock

Transsexuelle und transgender Sexarbeiterinnen auf dem Straßenstrich werden in Berlin immer häufiger zur Zielscheibe aggressiver Männergruppen. Das berichtet das LGBT-Stadtmagazin Siegessäule in seiner aktuellen Ausgabe. Die Lokalpolitik will nun den betroffenen Frauen helfen.

Männergruppen beschimpfen gezielt die Trans-Sexarbeiterinnen und greifen sie an

Die Trans-Prostituierten sind vor allem auf der Frobenstraße im Kurfürstenkiez zu finden. Vor allem zur Hauptarbeitszeit, am Wochenende zwischen 2.00 und 4.00 Uhr früh, sollen dort Männergruppen mit Autos vorfahren und die Sexarbeiterinnen gezielt beschimpfen und mit Gegenständen bewerfen. Auch sollen die Frauen wiederholt angegriffen und mit Messern bedroht worden sein.

„Einer Frau wurden die Zähne ausgeschlagen, einer anderen Seifenlauge ins Gesicht gespritzt“, beschreibt die Sexarbeiterin, Sexarbeitsaktivistin und Sozialarbeiterin Emy Fem in der Siegessäule die Situation: „Viele Arbeiterinnen planen, wieder in ihre Heimatländer zurückzugehen, weil der Zustand auf der Frobenstraße unerträglich geworden ist. Die Situation ist eskaliert.“

Dabei handle es sich Fem zufolge gezielt trans- und homofeindliche Angriffe, da die Angreifer die Frauen als „Hurensöhne“ und „Schwuchteln“ beleidigen. Die Aktivistin vermutet, dass die Aggressoren männliche Gangs sind, die gerade von einer Party kommen, sich stark fühlen und ihre Männlichkeit beweisen wollen, indem sie „Transen klatschen“.

Bezirksbürgermeister ruft Zeugen und Anrainer auf, Angriffe bei der Polizei zu melden

Der zuständige Bezirksbürgermeister für Berlin-Mitte, Stephan von Dassel von den Grünen, erklärte, dass die Übergriffe auf die Trans-Sexarbeiterinnen „leider kein neues Problem“ seien: „Wir sind erschrocken und entsetzt über das aktuelle Ausmaß der Gewalt. Es ist von trans- und homofeindlichen Übergriffen auszugehen, da die Opfer entsprechend beleidigt wurden“, erklärt er der Siegessäule.

Zeugen und Anrainer ruft von Dassel auf, unverzüglich die Polizei zu rufen, wenn sie einen Übergriff bemerkten: „Gewalt ist nie, zu keiner Zeit und aus keinem Anlass zu dulden. Das muss verfolgt und bestraft werden“, macht er die Grenzen klar.

Die Berliner Polizei will sich ab Ende April verstärkt um die Bedürfnisse der Trans-Sexarbeiterinnen kümmern: Beamte in Zivil sollen für mehr Sicherheit sorgen. Derzeit plane man wegen der beschriebenen Probleme derzeit keine größeren gezielten Einsätze, so ein Sprecher. Im Rahmen des regulären Streifendienstes achte man derzeit vor allem um minderjährige Prostituierte, die dort zuletzt öfter angetroffen worden seien.