Uni Harvard erzielt Fortschritte bei der Suche nach einem HIV-Impfstoff

Starke Immunreaktionen im Tierversuch und bei menschlichen Versuchspersonen geben Grund zur Hoffnung

HI-Virus
CDC

Das Rennen um einen Impfstoff, mit dem HIV besiegt werden kann, gewinnt an Fahrt. Nachdem vor wenigen Tagen Wissenschafter des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) einen vielversprechenden Ansatz präsentiert haben, zieht nun die Universität Harvard nach – auch mit vielversprechenden Ergebnissen, berichtet das Fachjournal Lancet.

In einem Versuch schützte der Impfstoff zwei Drittel der Tiere vollständig vor einer Infektion

Während das NIAID seine Hoffnungen auf einen Epitop-Impfstoff setzt, versucht man es in Harvard mit einem Mosaik-Impfstoff. Dier enthält Antigene verschiedener Varianten des HI-Virus. Die Entwicklung eines HIV-Impfstoffs ist sehr schwierig, weil sich der Virus schnell verändert und mit den CD4-Zellen einen zentralen Bestandteil des Immunsystems infiziert.

Das Team rund um den HIV-Spezialisten Dan Barouch hat nun für seinen Versuch 72 Rhesusaffen den Wirkstoff sowie einen HIV-ähnlichen Virus injiziert. Das Ergebnis gibt Grund zur Hoffnung: Zwei Drittel der Tiere wurden durch die Impfung vollständig vor einer Infektion geschützt.

Auch bei Menschen führte der Impfstoff zu starken Immunreaktionen

Außerdem führte das Team eine klinische Studie an Menschen durch. Dafür bekamen 393 gesunde Erwachsene zwischen 18 und 50 Jahren aus Ruanda, Uganda, Südafrika, Thailand und den USA entweder den Wirkstoff oder ein Placebo. Bei dem Test sollte vor allem die Verträglichkeit des Impfstoffes getestet werden.

Der Wirkstoff habe „starke Immunreaktionen bei den Menschen ausgelöst“, freut sich Barouch in seiner Studie. Außerdem hielten sich die Nebenwirkungen des Wirkstoffs in Grenzen. Nur fünf Teilnehmer beklagten Magenschmerzen, Durchfall, Schwindel oder Rückenschmerzen.

Die Forscher gehen davon aus, dass der Impfstoff wirken könnte – und testen weiter

Und auch die Wirksamkeit des Impfstoffes lässt aufhorchen: Er erzeugte bei allen Patienten Antikörper gegen ein HIV-Protein, zu 80 Prozent eine Antikörper-abhängige Reaktion und zu 83 Prozent eine T-Zell-Reaktion.

Die Schlussfolgerung der Wissenschafter: Der Impfstoff wirkte sowohl bei den Menschen als auch bei den Rhesusaffen. Nun wird die klinische Wirksamkeit des Impfstoffes in einer klinischen Studie an 2.600 jungen Frauen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren aus fünf afrikanischen Ländern südlich der Sahara getestet. Erste Ergebnisse der Studie werden für das Jahr 2021 erwartet.