CSD Berlin: Ein buntes Fest mit einigen dunklen Stellen

Eine Unwetterwarnung, ein Unglück am Rande der Veranstaltung und zwei homophobe Pöbeleien konnten die Botschaft des CSD Berlin nicht stoppen

Regenbogenflagge
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Nicht nur durch ein Unwetter war der 40. Christopher Street Day (CSD) am Samstag in Berlin getrübt: So musste die Schlussveranstaltung am Brandenburger Tor nach einer Warnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vorzeitig beendet werden. Zuvor starb ein Mann am Rand der Veranstaltung, auch kam es im Umfeld des CSD zu homophoben Vorfällen.

Nach einer Unwetterwarnung musste die Schlussveranstaltung unterbrochen werden

Die Berliner Polizei teilte um 19.27 Uhr auf Twitter mit, dass der Veranstalter in Absprache mit der  Einsatzleitung der Polizei den CSD „soeben offiziell beendet“ hat. „Die Sicherheit der Teilnehmer*innen ist unsere höchste Priorität“, bestätigte auch Alexandra Knoke vom CSD-Vorstand in einer Mitteilung die Absage.

Grund dafür waren anhaltende Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und eine Empfehlung von Feuerwehr und Polizei. Die Polizei forderte die Feiernden auf, die Schlußveranstaltung „besonnen“ zu verlassen und warnte im Gebiet des Tiergartens vor herunterfallenden Ästen.

DJ Felix Jaehn und Song-Contest-Gewinnerin Netta Barzilai konnten deshalb nicht vor den CSD-Besuchern spielen. „Ich bin echt verdammt traurig, ich habe mich seit langem gefreut, mal beim CSD aufzulegen“, erklärte Jaehn, der sich erst vor Kurzem als bisexuell geoutet hatte, in einem Video auf Instagram. Er hoffe, dass alle sicher nach Hause kommen.

Parade bei bis zu 30 Grad, mit einer ausgewogenen Mischung von Party und Politik

Zuvor hatten Hunderttausende Menschen bei Temperaturen bis zu 30 Grad den CSD in der deutschen Hauptstadt gefeiert und sind vom Kurfürstendamm zum Brandenburger Tor marschiert. Rund 70 Wagen waren für die Parade angemeldet, darunter auch von Firmen oder der US-Botschaft. So warben die Berliner Verkehrsbetriebe BVG mit dem Motto „Wir sind alle Tramgender“.

Das Motto der Parade lautete dieses Jahr „Mein Körper – meine Identität – mein Leben!“. Als Zeichen der politischen Dimension des CSD veröffentlichten die Veranstalter im Vorfeld elf politische Forderungen, darunter für die Themen „Trans“, „lesbische Sichtbarkeit“ und „Regenbogenfamilien“. So fordern sie unter anderem die Streichung des Transsexuellengesetzes.

Auf Plakaten forderten Teilnehmer „Liebe ohne Grenzen“ oder „CSD statt AfD“. Die Partei war als offizieller Teilnehmer unerwünscht. Die Organisatoren bezogen sich dabei auf einen Beschluss aus dem Jahr 2016, in dem es heißt, die Teilnehmenden am CSD Berlin stünden „für ein Klima der Akzeptanz in unserer Gesellschaft“, das beinhalte „eine Kultur, die Geflüchtete willkommen heißt.“ Menschen und Organisationen, die versuchten, ein Klima der Angst und Ausgrenzung zu schaffen, seien deshalb nicht willkommen.

Todesfall am Rande der Parade: 33-jähriger Mann zusammengebrochen

Getrübt wurde die Veranstaltung auch durch einen Todesfall: Am Rande der Parade ist ein Mann verstorben, der gegen 19.00 Uhr in der Nähe des Brandenburger Tors zusammengebrochen war und von den Rettungskräften nicht mehr wiederbelebt werden konnte.

Nach Informationen des Tagesspiegels handelt es sich um einen 33-jährigen Polen, der in Berlin gelebt hat. Hinweise auf ein Fremdverschulden gebe es nicht, die Angehörigen seien informiert worden, so die Polizei. Ob er Teilnehmer, Zuschauer oder Passant war, sei noch nicht geklärt.

Vereinzelt wurden auch Teilnehmer des CSD angegriffen

Außerdem gab es auf und am Rand des CSD vereinzelt homophobe Gewalttaten: So pöbelte beispielsweise ein 21-Jähriger während der Parade Teilnehmer und Besucher an. Als er auch einen Polizisten angreifen wollte, wurde er zu Boden gebracht und abgeführt. Bei einer anschließenden Messung wurde ein Blutalkoholwert von etwa 1,7 Promille festgestellt.

Eine 28-Jährige wurde nach dem Abbruch der Abschlussveranstaltung am Eingang zum S-Bahnhof Brandenburger Tor zunächst beschimpft, dann wurde er von einer Unbekannten eine Flasche ins Gesicht geschlagen. Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin hat in beiden Fällen die Ermittlungen übernommen.

Der Christopher Street Day erinnert an die Vorfälle, die um den 28. Juni 1969 in der New Yorker Christopher Street stattgefunden haben: Nach einer Polizeirazzia im „Stonewall Inn“, einer Schwulenbar, demonstrierten Schwule und Lesben gegen Polizeiwillkür. Im Jahr darauf fanden in den Vereinigten Staaten die ersten Gedenkdemonstrationen an die Unruhen statt. Der erste CSD im damaligen West-Berlin wurde im Juni 1979 mit etwa 450 Demonstranten gefeiert.