Ungarn öffnet Blutspende für schwule und bisexuelle Männer

Risikoverhalten statt Risikogruppe

Budapest
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Normalerweise ist Ungarn nicht gerade ein Vorreiter, wenn es um die Rechte sexueller Minderheiten geht – erst vor Kurzem sollte es ein Gesetz Trans-Personen unmöglich machen, ihren amtlichen Geschlechtseintrag zu ändern. Doch bei einem anderen Thema ist unser Nachbarland pragmatisch: Das Blutspendeverbot für schwule und bisexuelle Männer wurde aufgehoben, berichtet das englische Portal GayStarNews.

Nationaler Blutspendedienst hebt Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung auf

Wie der nationale Blutspendedienst bekanntgegeben hat, können schwule und bisexuelle Männer ab sofort Blut spenden, wenn sie kein Risikoverhalten an den Tag legen. „Jede Diskriminierung wird aufgehoben, die auf dem Geschlecht der Spender in Zusammenhang mit für die Übertragung riskanten sexuellen Beziehungen basiert“, heißt es in der offiziellen Mitteilung. Die entsprechenden Regeln wurden Mitte April veröffentlicht und treten rückwirkend mit 1. Jänner in Kraft.

Bis jetzt galt – wie auch in Österreich – eine einjährige Wartefrist. Die Gründe für diese überraschende Liberalisierung der Blutspende-Richtlinien sind nicht bekannt. Die Vereinigten Staaten und Australien haben ihre Richtlinien aufgrund der Corona-Krise gelockert, auch in Deutschland wird über liberalere Regeln diskutiert – in Österreich hat das Rote Kreuz als größte Blutspendeorganisation auch nach einem halben Jahr das Ende des Totalverbotes noch nicht umgesetzt.

„Ein schwules Paar in einer monogamen Beziehung ist kein größeres Risiko als ein heterosexuelles Paar“

Lob für die neuen Richtlinien kommt von Háttér, der größten und ältesten LGBTI-Organisation Ungarns. Die Aktivisten haben seit Jahren gegen ein Ende der Stigmatisierung schwuler und bisexueller Männer bei der Blutspende gekämpft. „Ein schwules Paar in einer monogamen Beziehung, besonders wenn sie sich selbst mit Kondomen oder der PrEP vor HIV schützen, ist kein größeres Risiko als ein heterosexuelles Paar“, heißt es in einer Mitteilung. Das Risiko einer HIV-Infektion bei Sex ohne Penetration sei zwischen Männern sogar „viel geringer als bei einem heterosexuellen Sexualkontakt mit Penetration.“

Damit hat Ungarn bei der diskriminierungsfreien Blutspende Österreich und Deutschland überholt. In beiden Ländern dürfen Männer, die Sex mit Männern hatten, ein Jahr keinen gleichgeschlechtlichen Sex haben, um Blut oder Blutplasma spenden zu dürfen.

In Bulgarien, Italien, Lettland, Polen, Portugal und Spanien bestimmt bereits das individuelle Verhalten der Spender deren Eignung und nicht deren sexuelle Orientierung. Auch Frankreich ist von der Zwölf-Monats-Regel abgekommen, es sind dort nur mehr vier Monate Wartezeit, ab 2022 könnten homo- und heterosexuelle Blutspender vollkommen gleich behandelt werden.