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Malaysia: „Umerziehungslager“ für Trans-Personen

Die islamische Religionspolizei habe „die volle Lizenz zur Durchführung ihrer Durchsetzungsmaßnahmen“ gegen Trans-Personen erhalten, so der Minister

Malaysia
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Die Lage für Trans-Personen in Malaysia verschlechtert sich weiter. So hat etwa Religionsminister Zulkifli Mohamad Al-Bakri vor zwei Wochen angekündigt, dass er der islamischen Religionspolizei grünes Licht für die Jagd auf Trans-Personen gegeben habe – was im In- und Ausland zu harscher Kritik geführt hat. 

Trans-Personen sollen Unterricht bekommen um „auf den richtigen Weg zurückzukehren“

Er habe der Polizei „die volle Lizenz zur Durchführung ihrer Durchsetzungsmaßnahmen“ gegen Trans-Personen in Malaysia erteilt, so Al-Bakri in Sozialen Netzwerken. Die Betroffenen sollten verhaftet und eingesperrt werden und dann eine Art islamischen Religionsunterricht bekommen, damit sie „auf den richtigen Weg zurückkehren“, so der Minister. 

Bereits in der Vergangenheit gab es in Malaysia immer wieder Diskussionen über „Konversionstherapien“ für Homo- und Transsexuelle, die teilweise wohl auch durchgeführt wurden. So hat die Regierung im Februar 2017 für die „Heilung“ von Homosexualität geworben. Als Maßnahmen empfahl die Regierung unter anderem eine (heterosexuelle) Eheschließung oder Fasten. 

Bereits jetzt drohen Trans-Personen in Malaysia Polizeiwillkür und Sex-Arbeit

Damit verschlechtert sich die Lage für Trans-Personen in Malaysia weiter. Bereits jetzt gibt es Menschenrechtsorganisationen zufolge immer wieder Razzien gegen sie, und oft werden sie von Polizisten erpresst. Der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zufolge sind viele Trans-Personen in Malaysia gezwungen, ihren Lebensunterhalt mit Sex-Arbeit zu verdienen. 

Einer Befragung von Trans-Frauen in Kuala Lumpur und Selangor zufolge wurden 57 Prozent von ihnen bereits vor den Äußerungen des Ministers willkürlich festgenommen. Ein Scharia-Gesetz verbietet „Cross-Dressing“, was zu Strafverfahren gegen Trans-Personen führt. 

Die Betroffenen haben Angst um ihre Sicherheit

Dem entsprechend verurteilte „Justice for Sisters“, eine Organisation für Trans-Rechte in Malaysia, die Äußerungen des Religionsministers als „unverantwortliche und erniedrigende Äußerung“: „Seine Erklärung wird die ungestafte Diskriminierung, Gewalt und Misshandlung von transgender Frauen durch Vollzugsbeamte der Religionsbehörden sowie durch Mitglieder der Öffentlichkeit verstärken“, fürchtet man. 

Und diese Angst ist durchaus begründet: Seit der Ankündigung von Al-Bakri habe man bereits öfter Rückmeldungen von Betroffenen erhalten, die um ihre Sicherheit und Gesundheit fürchteten.  

„Inakzeptabler transphober und homophober Angriff eines Regierungsangehörigen“

Auch die bekannte malaysische Anwältin Ambiga Sreenavasan von der Menschenrechtsorganisation International Commission of Jurists (ICJ) kritisierte den „inakzeptablen transphoben und homophobe Angriff eines Regierungsangehörigen“ scharf. Er zeige die gesellschaftlichen Vorurteile gegenüber Trans-Personen und den fehlenden rechtlichen Schutz vor Diskriminierung. Stattdessen müssten die Menschenrechte und die Würde aller Personen respektiert und geschützt werden, betonte die Juristin. 

Über die vom Minister angekündigte „Umerziehung“ von Trans-Personen zeigt sich Sreenavasan zutiefst besorgt: „Zahlreiche Studien haben gezeigt, wie religiöse Konversionstherapie und verwandte Praktiken nicht nur Transgender, sondern auch Lesben, Schwulen und Bisexuellen echten Schaden zufügen“, erklärt sie. 

Nicht das erste Mal, dass sexuelle Minderheiten in Lager gesteckt werden

Neu ist die Idee, Menschen, die nicht den Geschlechtsstereotypen entsprechen, in Umerziehungslager zu stecken, übrigens nicht. Schon 2011 kamen 66 Schüler zwischen 13 und 17 Jahren wegen „weiblicher Verhaltensweisen“ in ein Lager. Lehrer haben den Behörden die Schüler als „zu feminin“ gemeldet. Dort mussten die muslimischen Jugendlichen ein viertägiges Programm mit Militärmärschen und Religionsstunden absolvieren.

Homosexualität ist in Malaysia illegal: Gleichgeschlechtliche Kontakte können nach staatlichem und Scharia-Recht verfolgt werden. Bei einer Verurteilung drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis und Stockschläge. Diese Folterstrafe wurde in den letzten Jahren wiederholt angewandt, im Jahr 2018 auch zum ersten Mal gegen ein lesbisches Paar