Regenbogenfahne vom Budapester Rathaus gerissen: Politiker verhaftet

Als er vom Mistkübel zurückkam, wartete schon die Polizei auf ihn

Regenbogenflagge am Rathaus von Budapest
Gergely Karácsony/Facebook

In der ungarischen Hauptstadt Budapest hat ein rechtsextremer Politiker die Regenbogenflagge vom Rathaus gerissen – doch die Strafe darauf folgte buchstäblich auf den Fuß. Bürgermeister Gergely Karácsony lässt sich davon aber in seiner Unterstützung für die LGBTI-Community nicht beirren – und setzt selbst ein deutliches Zeichen. 

Denn es war schon eine kleine Sensation, als letzte Woche zum ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte der Budapest Pride die bunten Farben über dem Portal des Rathauses wehten – doch dieses Zeichen der Vielfalt hat nicht allen gefallen. 

Ein Ex-Abgeordneter der rechtsextremen Jobbik reisst die Flagge vom Rathaus – dann kommt die Polizei

Darunter war offenbar auch Előd Novák, ehemaliger Parlamentsabgeordneter der rechtsextremen Partei Jobbik und jetzt Vize-Parteichef der Jobbik-Abspaltung “Mi Hazánk” (Unsere Heimat). Er ließ sich filmen, wie er am Sonntag vor dem Budapester Rathaus auf eine Leiter steigt, um demonstrativ die Regenbogenfahne herunterzureissen. 

“Dieses familienfeindliche Symbol hat nichts auf der Straße und noch weniger am Gebäude des Magistrats zu suchen”, so die Partei. Bürgermeister Karácsony würde damit die Mehrheit der Ungarn provozieren und Familien gefährden, ärgerte sich die rechtsextreme Splitterpartei. 

Unter dem Jubel seiner kleinen Anhängerschar wirft er die Fahne in einen Mistkübel. Doch als er zum Rathaus zurückkehrt, wartet dort schon die Polizei auf den rechtsextremen Politiker – und nimmt ihn vorübergehend fest. Nun wird wegen Vandalismus gegen ihn ermittelt. 

Karácsony unterstützt weiter die LGBTI-Community in Budapest

Am Vortag hat Karácsony seinerseits ein deutliches Zeichen gesetzt – allerdings für die LGBTI-Community in Ungarn: Er hat gemeinsam mit dem Organisationsteam der Budapest Pride eine Pressekonferenz gegeben – und hatte dafür vor dem Parlament, in dem die rechtspopulistische Fidesz-Partei von Präsident Viktor Orbán eine Mehrheit hat, eine riesengroße Regenbogenflagge aufgelegt. 

“Ich weiß, es gibt einige Menschen, die vor dieser Flagge Angst haben, weil sie glauben, dass sie ihren Werten widersprechen würde”, so der Budapester Bürgermeister anschließend auf Facebook: “Und es gibt Menschen, die wegen dieser Angst mehr Ängste erzeugen.” 

Dabei verkünde die Regenbogenflagge “nichts anderes als die offizielle Position der römisch-katholischen Kirche: Dass niemand wegen seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden dürfe, weil wir alle Gottes Geschöpfe sind”, so das Stadtoberhaupt der Donaumetropole.