Schwules Paar beim Tanzen verprügelt – und die Polizei hilft nicht

Auch der Geschäftsführer der Schwulenorganisation "Pink Cross" ist erschüttert

Sujetbild: Blaulicht eines Polizeiautos
Sujetbild - Adobe Stock

In Basel ist ein schwules Paar beim Tanzen angegriffen worden – die Opfer hinterlässt die Tat in Angst – denn die Polizei war bei der Aufarbeitung bis jetzt keine große Hilfe. Das berichtet die Basler Zeitung

Weil die beiden Männer ausgiebig tanzten, wurden sie von drei Männern angegriffen

Der Vorfall ereignete sich bereits vor drei Wochen: Der US-Amerikaner Erich Mynock und sein Partner Thomas Mathis gingen in eine Bar an der Lehenmattstraße. Dort haben sie Spaß und tanzen ausgiebig. Kurz darauf greifen drei Männer im Alter von 30 bis 50 Jahren das Paar an.

Mynock bekam einen Faustschlag, auch Mathis wurde mehrmals geschlagen, berichtet die Zeitung. Mathis‘ Lippen mussten geklebt werden, er hat Prellungen am Brustkorb und den Ellenbogen erlitten und Abschürfungen an den Händen sowie Schwellungen an seiner linken Gesichtshälfte.

Warum sie zur Zielscheibe der drei Männer wurden, weiß das Paar nicht. Sie glauben aber, dass es ihre Homosexualität war. „Es kann nur das sein. Wir haben ja niemanden provoziert. Wir haben einfach nur miteinander getanzt“, so Mathis.

Die Polizei wollte nicht helfen, sagen die Opfer – weder nach der Tat noch auf der Wache

Doch das Verhalten der Basler Polizei hat das schwule Paar ein zweites Mal zum Opfer gemacht: Als sie nach dem Vorfall die Polizei riefen, kam zwar ein Streifenwagen – die Polizisten seien aber nicht einmal aus dem Auto gestiegen, um etwa in der Bar nach dem Rechten zu sehen.

Als das Paar einige Tage später den Vorfall bei einer Polizeistation anzeigen wollte, wurden sie „regelrecht abgewimmelt“, wie sie sich erinnern: „Es sei zwecklos, hieß es von Seiten des Polizisten.“ Als sie mit dem ärztlichen Attest von Matthis wiederkamen, riet ihnen der Polizist, doch selbst zur Bar zu gehen und dort die Aufnahmen der Überwachungskameras zu verlangen. „Eine Frechheit. Niemals würde es uns in den Sinn kommen, dorthin zurück zu gehen“, ärgert sich Mathis.

Die Basler Polizei will den Fall nun prüfen

Gegenüber der Basler Zeitung heißt es seitens der Polizei, dass der Fall noch in Abklärung sei. Der Hergang müsse noch mit den Polizisten abgeklärt werden, und da diese im Schichtbetrieb arbeiteten, könne dies „noch dauern“. Der Betreiber der Bar war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Für die Schweizer Schwulenorganisation Pink Cross sind solche Vorfälle keine singulären Ereignisse. Ein bis zwei solcher Vorfälle würden ihnen pro Woche gemeldet – doch die Dunkelziffer sei „extrem hoch“, erklärt Roman Heggli, Geschäftsleiter von Pink Cross: „Nur die wenigsten Fälle werden wirklich gemeldet.“

Die Corona-Regeln könnten beim Ausforschen der Prügler helfen

Dass ausgerechnet in Basel ein schwulenfeindlicher Übergriff passiert, erschüttert auch Heggli. „Ich war schockiert. Ich habe selbst in Basel gelebt und eigentlich herrscht dort ein recht offenes Klima“, erklärt er.

Die Chancen, die Angreifer zu finden, sind höher als bei vergleichbaren Hassverbrechen: „Corona sei Dank müsste eine Liste mit den Besuchern vorliegen. So finden wir hoffentlich die Täter und können vor Gericht gehen“, so Heggli.