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Wien: Regenbogenflagge am Volkskundemuseum zerschnitten

HOSI Wien: "Die Ereignisse der letzten Tage sind besorgniserregend und als klare Attacken auf die LGBTIQ Community zu werten"

Regenbogenflagge am Volkskundemuseum Wien
Matthias Beitl/Twitter

Dass Regenbogenflaggen mutwillig zerstört werden, kennt man eher aus Ländern wie Polen – jetzt hat der offene Hass gegen Vielfalt und sexuelle Minderheiten auch Wien erreicht: Wie Matthias Beitl, der Direktor des Wiener Volkskundemuseums, auf Twitter mitgeteilt hat, ist die dort hängende Regenbogenflagge in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zerschnitten worden.

Die Flagge hängt das ganze Jahr über gut sichtbar im Herzen der Josefstadt

Die Flagge hängt das ganze Jahr über vom Balkon des Palais Schönborn in der Laudongasse im sonst sehr beschaulichen achten Wiener Gemeindebezirk, der Josefstadt. Dort ist das Volkskundemuseum beheimatet. Doch dort, wo sonst die Flagge über die beschauliche Gasse wehte, hängt nun nur mehr ein Fahnenstumpf lustlos und traurig herum. Fetzen der zerstörten Flagge haben sich im Balkongitter verfangen.

Unbekannte haben offenbar jede Menge Arbeit auf sich genommen, um die Regenbogenflagge am Volkskundemuseum zu vernichten: Sie müssen aller Wahrscheinlichkeit nach auf den Balkon geklettert sein, um ihr Zerstörungswerk zu vollenden – so viel geplanten Hass gegen die LGBTI-Community hat man in Wien schon lange nicht mehr gesehen.

Museumsdirektor zu Vandalen: „Klettert woanders und macht das einfach nicht“

Einschüchtern will sich das Volkskundemuseum von den Flaggenzerstörern nicht lassen. „Klettert woanders und macht das einfach nicht“, richtet Museumsdirektor Beitl den Unbekannten aus. Und der offizielle Twitter-Account des Museums macht klar: „Die Regenbogenfahne hängt bei uns 365 Tage im Jahr. Weil es uns wichtig ist, Zeichen zu setzen. Gestern wurde sie zerschnitten. Wir lassen uns nicht einschüchtern und hängen sie wieder auf. Immer wieder.“

Nicht nur in Wien wurden in den letzten Tagen Regenbogenflaggen zum Opfer von Vandalenakten. In Vorarlberg sind zwei Flaggen, die an oder vor kirchlichen Gebäuden gehangen sind, zerstört worden. In der Gemeinde Hard wurde die Flagge, die als Zeichen der Solidarität der Kirche mit gleichgeschlechtlichen Paaren aufgehängt wurde, am Dienstag angezündet und komplett zerstört. In der Nacht auf Mittwoch wurde eine Flagge, die die Junge Kirche Vorarlberg aus einem Fenster des Diözesanhauses Feldkirch gehängt hat, angezündet.

Die Zerstörung stellt sich gegen eine tolerante Gesellschaft, so die HOSI Wien

Darauf weist auch die HOSI Wien hin: „Nachdem Regenbogenflaggen in Vorarlberg zerstört wurden, traf es nun jene vor dem Volkskundemuseum. Die Ereignisse der letzten Tage sind besorgniserregend und als klare Attacken auf die LGBTIQ Community zu werten. Die Zerstörung einer Regenbogenfahne ist ein symbolischer Akt, der sich eindeutig gegen uns und gegen eine Gesellschaft stellt, die für Menschenrechte, Respekt, Akzeptanz und Gleichberechtigung steht. Wir können und wollen solche Taten nicht akzeptieren“, gibt sich Obfrau Ann-Sophie Otte gegenüber GGG.at kämpferisch.

Und auch aus der Politik gibt es zahlreiche Solidaritätsbekundungen: „Wir werden das nicht tolerieren, das Parlament muss ein Zeichen setzen, gegen die Aggression und den Hass, gegen die wir als LGBTIQ-Community noch immer kämpfen müssen“, zeigt die Grüne LGBTIQ-Sprecherin Ewa Ernst-Dziedzic auf Twitter klare Kante.

„Hass und Gewalt gegen LGBTIQ-Personen ist Realität und leider noch weit verbreitet“

Für die Neos betont LGBTIQ+-Sprecher Yannick Shetty gegenüber GGG.at: „Die Reihe hasserfüllter Sachbeschädigungen sowie das Verbrennen und Zerreißen von Regenbogenflaggen in Vorarlberg und Wien ist einmal mehr ein ganz klares Signal: Wir haben noch viel zu tun! Hass und Gewalt gegen LGBTIQ-Personen ist Realität und leider noch weit verbreitet. Als Politik müssen wir mehr Anstrengungen gegen gesellschaftlich tief verwurzelte Homophobie unternehmen.“ Ein entsprechendes Paket der Neos sei von der türkis-grünen Bundesregierung abgelehnt worden, so der Abgeordnete.

„Niemand kann mehr behaupten, dass es in Österreich keinen LGBTIQ-Hass gibt, der offen zur Schau gestellt wird“, betont auch Tatjana Gabrielli, Wiener Landesvorsitzende der sozialdemokratischen LGBTI-Organisation SoHo: „Genau deshalb braucht es klare, bundesweite Maßnahmen für mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz. Vor allem aber gilt: Unsere Community lässt sich von solchen Taten weder einschüchtern noch unsichtbar machen. Wir bleiben sichtbar, laut und stolz!“