Boris Johnson möchte „Homo-Heilungen“ verbieten

Verbot von "Konversionstherapien" in England und Wales steht nächstes Jahr auf der Liste der Regierung

Tower Bridge
Skeeze/Pixabay

Der britische Premierminister Boris Johnson möchte die Pläne, „Konversionstherapien“ zu verbieten, in der kommenden Parlamentsperiode intensivieren. Das geht aus der Queen’s Speech hervor, die Königin Elizabeth II. heute vor dem Parlament gehalten hat. Die Rede der Königin entspricht einer Regierungserklärung.

Angekündigt wird das Verbot bereits seit 2018

So hat die Königin in ihrer Rede, die von Premierminister Boris Johnson geschrieben wurde, Pläne angekündigt, dass schädliche und wissenschaftlich nutzlose „Konversionstherapien“, die Homosexuelle von ihrer sexuellen Orientierung „heilen“ sollen, in England und Wales verboten werden sollen.

Zum ersten Mal hat die damalige Premierministerin Theresa May 2018 ein solches Verbot als Teil ihres LGBT-Equality-Plans angekündigt. Johnson hat nach seiner Amtsübernahme angekündigt, das Verbot von „Homo-Heilungen“ voranzutreiben – doch der Ankündigung folgten zunächst keine Taten.

„Spirituelle Begleitung von Erwachsenen“ soll möglich bleiben

Wie der Guardian aus Regierungskreisen erfahren hat, scheint es Johnson dieses Mal ernst damit zu nehmen, „Homo-Heilern“ ihr Handwerk zu legen. Die Pläne sollten demnach „harte aber ausgewogene Maßnahmen“ beinhalten, „die schädliche und erzwungenen Praktiken beseitigen, aber die Meinungsfreiheit und legitime Formen der spirituellen Begleitung für Erwachsene, die das freiwillig machen, verteidigen“.

Das Verbot von „Konversionstherapien“ wird bereits seit mehreren Jahren in Großbritannien diskutiert. Während Aktivist:innen und einige Abgeordnete der Konservativen die Fortschritte in dieser Frage begrüßen, könnten die Pläne der Regierung anderen Expert:innen nicht weit genug gehen.

Aktivist:innen geht das Verbot der „Homo-Heilungen“ nicht schnell genug

Darunter ist auch Jayne Ozanne. Sie hat im März 2021 mit zwei weiteren Mitgliedern den LGBT+-Berater:innenstab der britischen Regierung verlassen – unter anderem auch, weil die Maßnahmen gegen „Homo-Heiler“ von den konservativen Gleichstellungsministerinnen Liz Truss und Kemi Badenoch immer wieder hinausgezögert wurden.

Auch jetzt fürchtet sie, dass zunächst weiter darüber diskutiert werden könnte. „Sie haben lange genug beraten, jetzt muss gehandelt und ein Gesetz auf den Weg gebracht werden, das jeden vor diesem entwürdigenden Missbrauch schützt“, sagt sie dem Guardian.

Fünf Prozent der LGBTI-Community wurde eine solche „Therapie“ bereits angeboten

Wie wichtig ein Verbot wäre, zeigt eine Umfrage, die die britische Regierung 2018 in der LGBTI-Community durchgeführt hat. Demnach sagten 5 Prozent der 108.000 Befragten, dass ihnen eine solche „Konversiontherapie“ angeboten wurde, zwei Prozent hatten eine gemacht.

Unter ethnischen Minderheiten war der Anteil doppelt so hoch. Und während unter den Befragten ohne religiöses Bekenntnis nur 6 Prozent eine solche Behandlung angeboten wurde oder sie sich einer solchen unterzogen, betrug der Anteil unter LGBTI-Personen in der christlichen Community 10 Prozent, bei Muslimen sogar 20 Prozent.

Mehr als die Hälfte der Betroffenen nahm im Rahmen einer Religionsgemeinschaft daran teil, ein Fünftel bei Vertreter:innen des Gesundheitswesens. Noch höher ist der Anteil in der trans Community: Beinahe jedem zehnten trans Mann wurde eine „Konversionstherapie“ angeboten, und jeder Vierte hatte eine gemacht.