FPÖ polemisiert gegen die Fensterl-Parade

„Wir müssen das Geld nicht mit Gewalt aus dem Fenster werfen – und das im wahrsten Sinn des Wortes“

Wiener Gemeinderat
Sujetbild - PID/Christian Jobst

Für Diskussionen sorgte am Donnerstag im Wiener Gemeinderat die Förderung an jenen Verein, der die Wiener Fensterl-Parade veranstaltet. Vor allem ÖVP und FPÖ kritisierten, dass „Sisters – Verein für feministische Kunst und Kultur“ Geld von der Stadt Wien bekommt – mit teils abenteuerlichen Argumenten.

Aus der Corona-Not geboren hat sich die Fensterl-Parade etabliert

Der Verein hat letztes Jahr zum ersten Mal die „Wiener Fensterl-Parade“ veranstaltet: Da eine herkömmliche Regenbogenparade aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich auf, rief Sisters die LGBTI-Gemeinde und alle Verbündeten dazu auf, Regenbogenfahnen in den Fenstern zu hissen. Zur Unterstützung wurden auch Papierfahnen kostenlos zur Verfügung gestellt, für den nötigen Soundtrack sorgte das ORF-Jugendradio FM4.

Dieses Jahr wurde die Fensterl-Parade in den offiziellen Veranstaltungskalender der Vienna Pride aufgenommen. Dass der Verein heuer mit 27.000 Euro gefördert wird, stößt unter anderem FPÖ-Gemeinderat Stefan Berger sauer auf. „Wir müssen das Geld nicht mit Gewalt aus dem Fenster werfen – und das im wahrsten Sinn des Wortes“, ärgert er sich.

FPÖ ortet „Geschäftemacherei“

So stört er sich unter anderem daran, dass mit der Gemeindeförderung 15.000 Regenbogenfahnen für 4.800 Euro gedruckt werden sollen. Berger vermutet, „dass der Antragssteller hier anscheinend Geld verdienen will“ und ortet „Geschäftemacherei“ in der Community. Gleichzeitig betont der FPÖ-Politiker: „Leute, die etwa zur Regenbogenparade gehen, sind bei weitem nicht so tolerant wie ich.“

Sein Parteikollege Udo Guggenbichler versteht in seiner Rede vor dem Gemeinderat nicht, warum „die Fahne der Regenbogenparade das Wappen der Stadt Wien tragen“ müsse und dies öffentlich finanziert werde. Er kündigte an, eine der Fahnen SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi zu überreichen, „damit er diese bei den islamischen Vereinen verteilt“.

Bereits letztes Jahr hatte der Freiheitliche Gemeinderatsabgeordnete Leo Kohlbauer während einer Sitzung im Rathaus eine Pride-Flagge der Fensterl-Parade demonstrativ in den Müll geworfen und ein Video davon auf Sozialen Netzwerken geteilt. Diese hatte zuvor der damalige Integrations-Stadtrat Jürgen Czernohorsky den Mitgliedern des Gemeinderatsausschusses für Bildung und Integration auf die Plätze gelegt.

Auch die ÖVP ist gegen eine Förderung

Auch die ÖVP unterstützt die Förderung von Sisters im Wiener Gemeinderat nicht, betonte deren Gemeinderat Patrick Gasselich bei der gestrigen Sitzung. Unterstützung kam hingegen von SPÖ, Grünen und Neos. Mit Regenbogen- und Fensterl-Parade werde „Flagge für die LGBTIQ-Community“ gezeigt. „Ich lade alle ein, bei diesen Aktionen mitzumachen und den Pride-Monat gemeinsam zu feiern“, so SPÖ-Gemeinderätin Nicole Berger-Krotsch.

Für die Grünen betonte Gemeinderätin Jennifer Kickert, dass gerade die Fensterl-Parade zeige, was möglich sei, „wenn Bottom-up-Initiativen mit einem kleinen, aber feinen Programm“ gefördert würden. Und für Neos-Mandatar Thomas Weber seien die beiden Paraden ein „deutliches Zeichen“ des Respekts und der Weltoffenheit in Wien.