Nach Taxi-Vorfall: „Homophobie hat in Wien nichts verloren“

Stadtpolitik solidarisiert sich mit mutmaßlichem Prügelopfer

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Für deutliche Stellungnahmen der Politik sorgt der Fall eines Wieners, der von einem Taxifahrer mutmaßlich wegen seiner Homosexualität angegriffen und verprügelt worden ist. 

Vizebürgermeister Wiederkehr verurteilt die Tat aufs Schärfste

“In Wien hat Homophobie absolut nichts verloren”, schreibt der für Antidiskriminierung zuständige Wiener Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr von den Neos: “Ich verurteile die Tat aufs Schärfste und wünsche dem Opfer eine rasche Genesung.” 

Und auch die sozialdemokratische LGBTI-Organisation SoHo zeigt sich entsetzt. “Wien steht solidarisch an der Seite der LGBTIQ-Community – niemand darf Angst haben, in unserer Stadt offen zu zeigen, wer man ist oder wen man liebt”, betont Tatjana Gabrielli, Vorsitzende der SoHo Wien. 

Die Politik dürfe nicht wegschauen, wenn Gruppen wie die LGBTI-Community angegriffen würden, so Gabrielli weiter. Denn wie ein Pilotprojekt des Innenminsteriums zeigt, sind Hassverbrechen gegenüber sexuellen Minderheiten in Österreich keine Seltenheit. 

Jede Woche gibt es etwa zwei homo- und transphobe Vorfälle in Österreich

So wurden im Zeitraum von November 2020 bis April 2021 in Österreich insgesamt 97 Vorurteilsmotive die sexuelle Orientierung registiert, das sind etwa zwei Vorfälle pro Woche: 71-mal ging es um Lesben und Schwule, 14-mal um Bisexuelle und 12-mal um Heterosexuelle. 

Die Aufklärungsquote liegt mit 68 Prozent deutlich unter dem Schnitt von fast 72 Prozent. Insgesamt konnten 74 Tatverdächtige bei Hassverbrechen gegen die sexuelle Orientierung namhaft gemacht werden. Den Daten zufolge gab es 63 Opfer aus 55 Gewaltdelikten. Die meisten Tatverdächtigen sind Mitte 20. 

Weniger als ein Drittel der Tatverdächtigen sind keine Österreicher:innen, und vier von fünf Verdächtigen sind Männer. Allerdings dürften diese Zahlen deutlich zu niedrig sein. Zum Vergleich: In Berlin, das ungefähr halb so viele Einwohner wie ganz Österreich hat, hat es im Jahr 2020 insgesamt 510 homo- und transfeindliche Gewalttaten gegeben.