Sonntag, 21. Juli 2024
HomePolitikInlandBlutspende: SPÖ, Grüne und Neos begrüßen Vorstoß namhafter Firmen

Blutspende: SPÖ, Grüne und Neos begrüßen Vorstoß namhafter Firmen

Deutliche Kritik am Roten Kreuz

Meistgelesen

Neu auf GGG.at

Dass sich einige große österreichische Unternehmen für die diskriminierungsfreie Blutspende für schwule und bisexuelle Männer sowie für trans Menschen einsetzen, sorgt auch in der Innenpolitik für Aufsehen. SoHo-Bundesvorsitzender Mario Lindner nimmt deshalb auch das Rote Kreuz in die Pflicht, und auch die Grünen als Regierungspartei unterstützen die Petition, die an ihren eigenen Minister gerichtet ist. 

Großunternehmen fordern diskriminierungsfreie Blutspende

Am Freitag haben einige renommierte Großunternehmen – angeführt von der Raiffeisen Bank International (RBI), Microsoft, PWC, Accenture und anderen – ihre Petition gegen die Diskriminierung von homosexuellen Männern und Trans-Personen beim Blutspenden vorgestellt. Die Firmen fordern darin nicht nur einen neuen Blutspende-Fragebogen, sondern auch ein umfassendes Diskriminierungsverbot in der Blutspende-Verordnung. 

Seit April ist in der Blutspende-Verordnung eine Wartefrist von vier Monaten vorgesehen: So dürfen Männer, die Sex mit Männern haben, erst vier Monate nach ihrem letzten gleichgeschlechtlichem Sex Blut spenden – auch, wenn sie in einer monogamen Beziehung leben. Zuvor waren es zwölf Monate. 

- Werbung -

SPÖ-Abgeordneter Mario Lindner kritisiert das Rote Kreuz

Das Rote Kreuz als größte österreichische Blutspende-Organisation verlangt sogar eine zwölfmonatige Enthaltsamkeit. Trans Menschen dürfen beim Roten Kreuz überhaupt kein Blut spenden, was durch die bundesweiten Regeln nicht notwendig wäre. 

“Es kann und darf nicht sein, dass große Einrichtungen wie das Rote Kreuz eigene Bestimmungen erlassen und noch mehr diskriminieren, als es die bundesweiten Regeln schon jetzt vorsehen – und das sage ich selbst als ehrenamtlicher Sanitäter in dieser Organisation”, ärgert sich deshalb Mario Lindner, LGBTIQ- und Gleichbehandlungssprecher der SPÖ. 

Deshalb begrüße man “aus ganzem Herzen, dass die Vertreter*innen der Wirtschaft Verantwortung übernehmen und gemeinsam gegen die andauernde Diskriminierung bei der Blutspende aufstehen”, so Lindner, der auch Bundesvorsitzender der sozialdemokratischen LGBTIQ-Organisation SoHo ist. 

Neos-Sprecher Shetty hofft auf ein Umdenken der Regierung

Ähnlich äußert sich auch Yannick Shetty, LGBTIQ-Sprecher der Neos: “Wir unterstützen die Forderungen dieser Initiative vollinhaltlich und hoffen, dass sich auch die Bundesregierung von diesem unternehmensübergreifenden Engagement überzeugen lässt.” Für die Grünen freut sich LGBTIQ-Sprecherin Ewa Ernst-Dziedzic über den breiten Schulterschluss der Unternehmen in Österreich. 

“Seit mehr als einem Jahrzehnt ist aus Expert*innen-Sicht klar, dass das geltende De-Facto-Blutspendeverbot unhaltbar ist – jetzt muss endlich gehandelt werden”, so Lindner. Die Möglichkeit zur Blutspende, so der SPÖ-Abgeordnete, müsse vom individuellen Risikoverhalten jeder Person abhängen und nicht von deren sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität. 

Grüne warten auf Ergebnis der Gesundheitsfolgenabschätzung

“Nicht nur ist der Ausschluss einer derart großen Personengruppe von der Blutspende medizinisch nicht notwendig, EU-rechtswidrig und diskriminierend, er kostet auch Menschenleben”, ergänzt Shetty. Er erinnerte daran, dass die Neos zu dem Thema auch eine parlamentarische Petition eingebracht hätten, “die ein Expertenhearing im Gesundheitsausschuss angestoßen und gezeigt hat, dass die modernen Testmöglichkeiten bei Blutspenden einen Totalausschluss von MSM nicht mehr notwendig machen”. 

Ernst-Dziedzic erinnert, dass das grün geführte Gesundheitsministerium mit der Reduzierung der Vorhaltefrist von zwölf auf vier Monate auch eine Gesundheitsfolgenabschätzung in Auftrag gegeben hat. Deren Ergebnisse würden im Laufe des Herbstes vorliegen. “Auch im Gesundheitsministerium wird der Ausschluss von schwulen, bisexuellen und auch transidenten Blutspender*innen intensiv diskutiert. Mir ist bewusst, dass die LGBTIQ-Community auf konkrete Taten wartet. Diese müssen und werden folgen”, betont die Grüne LGBTIQ-Sprecherin.