Russland verbietet frauen- und LGBTI-feindliche Gruppe

Auch YouTube und Telegram hatten die Konten von Male State gelöscht

Russische Flagge
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In Russland hat ein Gericht die Social-Media-Gruppe Male State als extremistisch verboten, weil diese unter anderem gegen Frauen und sexuelle Minderheiten hetzt. Mitglieder, die sich weiterhin betätigen, riskieren Haftstrafen. Damit ist das Gericht in Nischni Nowgorod den Forderungen des Staatsanwalts gefolgt. Erst letzte Woche hatten sowohl YouTube als auch der russische Messenger-Dienst Telegram den Zugriff auf die Kanäle gesperrt. 

Male State hat konzentrierte Hass-Aktionen orchestriert

Male State fordert unter anderem “ein radikales Patriarchat mit dem Ziel einer Verfassungsänderung“, so die russischen Behörden. Dabei wirft die Gruppe dem Staat vor, zu frauenfreundlich zu sein. Die Liste der Vorfälle, die der Gruppe vorgeworfen wird, ist lang: So hatte die Gruppe unter anderem gegen die Sushi-Kette Tanuki gehetzt und gedroht, weil diese mit einem schwarzen Mann und mit Regenbogenfarben geworben hatte. 

Der Anwalt der Gruppe wies die Vorwürfe zurück: Regenbogenfarben zu verurteilen sei legitim, weil es in Russland auch verboten sei, LGBTI-freundliche Botschaften zu verbreiten, wenn sie Jugendliche erreichten. Damit bezog er sich auf das 2013 in Kraft getretene Gesetz gegen “Homo-Propaganda”, das international stark kritisiert wurde. 

Der Gründer der Gruppe ist abgetaucht

Male State wurde 2016 vom Bodybuilder Wladislaw Pozdnyakow gegründet und hatte auf verschiedenen Sozialen Netzwerken Tausende Abonnenten. Ursprünglich organisierte sich die Gruppe über den russischen Facebook-Konkurrent VKontakte. Im Jahr 2018 haben sie Frauen, die während der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland Kontakte zu Ausländern hatten, an den Pranger gestellt und bedroht. 

Pozdnyakow soll sich mittlerweile ins Ausland abgesetzt haben. Für den Gründer von Male State ist es nicht das erste Mal, dass er mit dem russischen Gesetz in Konflikt kommt: Bereits 2018 wurde er für seinen Frauenhass zu zwei Jahren bedingter Haft verurteilt. Pozdnyakow war geständig, setzte sich aber kurz nach seiner Verurteilung aus Russland ab. Ein Jahr später wurde das Urteil aufgehoben.