Sonntag, 3. März 2024
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Zwei Tote bei Sex-Dates: Angeklagter ließ Prozess platzen

Knalleffekt am Dienstag im Landesgericht Wien: Jener 52-Jährige, in dessen Wohnung zwei Männer während Sex-Dates an einer Überdosis Drogen starben, hat am letzten Prozesstag seinen Verteidiger gefeuert. Er beteuert weiter seine Unschuld.

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Im schwarzen Hemd und mit gegelten Haaren erschien der 52-Jährige am Dienstag im Wiener Landesgericht. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Vergewaltigung mit Todesfolge, sexueller Missbrauch Wehrloser und schwerer Raub. Dem Mann, für den die Unschuldsvermutung gilt, droht lebenslange Haft.

Überdosis beim Slamming: Das Sex-Date endete tödlich

Der Mann soll am 1. Oktober 2021 einen 43-Jährigen über eine Dating-App zum Sex in seine Wohnung eingeladen haben. Beim Date soll er ihm dann beim „Slamming“, der Injektion von Drogen zum Lustgewinn, eine Überdosis Liquid Ecstasy gespritzt haben. Dann soll der 52-Jährige den 43-Jährigen vergewaltigt haben. Er starb, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben, so die Anklage.

Dann soll er mit dem Taxi in die Wohnung des Toten gefahren sein, um dort den Fernseher zu entwenden. Die Leiche des 43-Jährigen lagerte er in Müllsäcken unter seinem Bett – während er weitere Dates nach Hause einlud, wie die Tageszeitung Heute berichtet.

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Der 52-Jährige konnte die Polizei abwimmeln

Sie wurde erst Wochen später entdeckt: Nachdem Nachbarn Verwesungsgeruch aus der Wohnung wahrgenommen hatten, kam die Polizei vorbei. Den Beamten sagte er, sein Abfluss sei verstopft, woraufhin sie wieder gingen.  Wenig später ging der 52-Jährige selbst zur Polizei und sagte den Beamten, in seiner Wohnung befinde sich ein Toter.

Wie sich herausstellte, war der 43-Jährige nicht der erste verdächtige Todesfall in dieser Wohnung: Bereits fünf Monate zuvor gab es dort eine Leiche. Auch dieser Mann starb an einer Überdosis Liquid Ecstasy, die Staatsanwaltschaft konnte hier eine Tötungsabsicht nicht mit der für ein Strafverfahren nötigen Sicherheit nachweisen.

Dritter Anklagepunkt ist ein Vorfall im Juni 2021: Ein Mann, der sich mit dem 52-Jährigen für ein Sex-Date getroffen hatte, fand ihn nicht attraktiv. Daraufhin soll ihn der Tatverdächtige zu einem Abschiedsgetränk überredet haben, das mit Liquid Ecstasy versetzt war. Nachdem der Mann betäubt war, soll er ihm Bargeld und Wertsachen für insgesamt 18.000 Euro abgenommen haben, so die Staatsanwaltschaft.

Vor Gericht bestritt der Angeklagte jedes strafbare Verhalten

Vor Gericht bestritt der Mann jedes strafbare Verhalten. „Beide Toten waren ein Unfall. Ich war auf Drogen“, sagte er am ersten Prozesstag: „Stellen Sie sich vor, Sie haben das erste – entschuldigen Sie – das zweite Mal einen Toten zu Hause.“ Diese Situation hätte ihn anschließend völlig überfordert. Dass er keine Hilfe holte und sogar in die Wohnung eines der Verstorbenen fuhr und dort Wertgegenstände mitgehen ließ, tat er als „Dummheit“ ab.

Gerichtsreportern zufolge scheint der 52-Jährige, der bereits 13 Vorstrafen hat, unter anderem wegen Tierquälerei, felsenfest von seiner Unschuld überzeugt zu sein. Weniger überzeugt war er offenbar von seinem Anwalt. Denn am Dienstag, dem letzten geplanten Verhandlungstag, ließ er den Prozess platzen. „Ich habe das Vertrauen in meinen Anwalt verloren“, sagte er. Nun muss der Prozess vertagt werden, bis der Angeklagte einen neuen Verteidiger gefunden hat.

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