Freitag, 19. Juli 2024
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Queerfeindliche Gewalt rund um den CSD: Berliner Polizei zählt 84 Anzeigen

In Berlin haben am Samstag hunderttausende Menschen auf dem CSD für Toleranz demonstriert. Doch am Rand der Parade kam es zu einigen queerfeindlichen Zwischenfällen.

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Bei angenehmen Temperaturen feierten am Samstag bis zu 600.000 Menschen in Berlin den Christopher Street Day. Toleranz und Akzeptanz waren auch dieses Jahr die bestimmenden Themen. Doch das dürften nicht alle verstanden haben. Denn rund um den CSD Berlin hat die Polizei einige LGBTI-feindliche Angriffe registriert.

In der Nacht zum Samstag bepöbelte eine Autofahrerin einen Mann

Im Regenbogenkiez wurde der Polizei ein Angriff gemeldet: In der Nacht zum Samstag wurde ein 44-Jähriger gegen 3.00 Uhr früh zunächst am Nollendorfplatz von einer Autofahrerin aus dem fahrenden Auto heraus schwulenfeindlich beleidigt. Als er sie dabei mit dem Handy filmte, stieg sie seiner Schilderung zufolge aus, beleidigte ihn mehrmals und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht. Die Frau behauptete hingegen gegenüber der Polizei, von dem 44-Jährigen geschlagen worden zu sein.

Der Mann berichtete der Polizei außerdem, dass sich während des Streits zwei Unbekannte eingemischt hätten. Einer der beiden soll ihn zu Boden gestoßen haben. Dabei kam der 44-Jährige mit dem Kopf an einem Baum hinter ihm auf. Die Männer flüchteten vor dem Eintreffen der Polizei.

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Der Mann erlitt bei dem Vorfall eine Platzwunde, die im Krankenhaus behandelt werden musste, auch die Autofahrerin klagte über Kopfschmerzen. Ein Alkoholtest ergab beim 44-Jährigen einen Wert von etwa 1.1 Promille, bei der Autofahrerin von 1,6 Promille.

Ein CSD-Hasser packte in der U-Bahn einen Mann an der Gurgel

Auch am Samstag, dem eigentlichen CSD-Tag, ist es in Berlin zu queerfeindlichen Vorfällen gekommen. Gegen 13.00 Uhr soll sich nach Angaben der Berliner Polizei ein Mann in einem Zug der U7 bei einem Telefonat lautstark LGBTI-feindlich über den CSD Berlin geäußert haben. Daraufhin kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Unbekannten und einem 30 Jahre alten Fahrgast.

An der U-Bahn-Station Yorckstraße hinderte der Unbekannte dann den 30-Jährigen am Aussteigen aus der U-Bahn. Er nahm ihn an seinem T-Shirt, zerrte ihn aus dem Wagen und packte ihn am Hals. Dabei zerriss das T-Shirt. Als Passanten eingriffen, ließ der Unbekannte von seinem Opfer ab und ging zum Ausgang der Station. Der 30-Jährige erlitt bei dem Angriff Schmerzen am Hals und am Arm.

Nach der Parade wurden drei Frauen beschimpft und bespuckt

Am Samstagabend wurden im Stadtteil Hohenschönhausen zwei Frauen im Alter von 23 und 34 Jahren und eine 19-jährige trans Frau, die am CSD teilgenommen hatten, von fünf bis sechs Jugendlichen in einem Geschäft angestarrt, nachgeahmt und dann gefilmt.

Nachdem die Frauen das Geschäft verlassen hatten, folgten ihnen die Jugendlichen und beleidigten alle drei queerfeindlich. Der 23- und der 34-Jährigen spuckten sie außerdem noch ins Gesicht. Dann flüchteten sie vor dem Eintreffen der Polizei.

Wie bei allen mutmaßlichen Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten hat auch in diesen Fällen der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt (LKA) Berlin die Ermittlungen übernommen.

Insgesamt 84 Strafanzeigen rund um den CSD Berlin

Am Sonntag in der Früh gab die Polizei bekannt, dass es rund um den CSD 84 Strafanzeigen gegeben hätte – für die Größe der Veranstaltung eine erwartbare Zahl. Dabei handelte es sich unter anderem um 22 einfache und vier gefährliche Körperverletzungen, sechs Mal Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, fünf Drogendelikte und fünf Beleidigungen. Es sei vereinzelt auch zu Diebstählen und Sachbeschädigungen gekommen, so die Berliner Polizei.

Angehörige sexueller Minderheiten, die Opfer von Hasskriminalität geworden sind, können in Berlin unter anderem auf der Internetwache der Polizei Berlin  online eine Anzeige aufgeben. Bei der Polizei gibt es zudem zwei Ansprechpersonen für LGBTI . Damit soll Angehörigen sexueller Minderheiten, die oft ein kritisches Verhältnis zur Polizei haben, das Erstatten einer Anzeige nach einem Übergriff erleichtert werden.