Mittwoch, 19. Juni 2024
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Zuständiges Bundesinstitut erklärt deutschen „PrEP-Engpass“ für beendet

Über Wochen gab es in Deutschland Lieferengpässe bei jenen Wirkstoffen, die auch für die PrEP verwendet werden. Nun gibt das zuständige Bundesinstitut Entwarnung. Doch einige Fragen bleiben offen.

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Erst am Donnerstag hatte der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach von der SPD offiziell einen Engpass für die Wirkstoffkombination Emtricitabin/Tenofovir ausgerufen. Diese sind nicht nur für die Behandlung von HIV wichtig, sondern auch die einzigen zugelassenen Wirkstoffe für die HIV-Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP). 

Seit November gab es Engpässe bei der Versorgung

Bis Ende März könnte der Engpass anhalten, hieß es von HIV-Expert:innen in Arztpraxen und Apotheken, die teilweise bereits seit November die Wirkstoffe nicht in den benötigten Mengen erhalten konnten und deshalb schon in den letzten Monaten eindringlich vor den Engpässen warnten. Grund dafür: Zwei Hersteller haben die Produktion eingestellt. 

Einige HIV-Patienten, die auf diese Wirkstoffkombination eingestellt waren, mussten bereits ihre Therapie umstellen. Auch einige der mehr als 32.000 PrEP-Nutzer:innen haben die tägliche Einnahme des Medikaments wegen des Engpasses bereits unterbrochen, die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) geht deshalb davon aus, dass es dieses Jahr mehr HIV-Neuinfektionen geben wird.

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Auf einmal konnte alles in wenigen Tagen geklärt werden

Nun gibt das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vorerst Entwarnung. Die Verfügbarkeit von Emtricitabin/Tenofovir in Deutschland soll sich bereits in den nächsten Tagen „deutlich stabilisieren“, die nun zur Verfügung gestellten Vorräte sollen bis mindestens Ende April ausreichen.

„Das ergibt sich aus einer engen Abstimmung zwischen dem BfArM und den Zulassungsinhabern Ratiopharm und Heumann, die nun gegenüber dem BfArM bestätigt haben, sehr kurzfristig erhebliche Warenkontingente für den Markt zur Verfügung zu stellen“, so ein Sprecher des BfArM zur Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Nun geht es darum, die Gründe für den Engpass zu klären

Allerdings: „Wann sich die Versorgungslage wieder vollständig normalisieren wird, lässt sich zur Zeit aber noch nicht sagen“, warnt DAH-Vorstandsmitglied Stefan Miller. Nun müsse es darum gehen, die Ursachen für diese Krise zu finden und ähnliche Situationen in Zukunft zu vermeiden – auch angesichts der Lieferengpässe bei derzeit etwa 500 anderen Medikamenten in Deutschland. 

„Dass ein lebenswichtiges Medikament in Deutschland plötzlich nicht mehr verfügbar ist, darf sich nicht wiederholen“, so Miller. So müsse etwa über die „Konzentration auf relativ wenige Hersteller und die deutsche Preispolitik bei Generika“ gesprochen werden, meint die DAH.