Montag, 27. Mai 2024
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Vom Netz auf die Straße: Mehr Hass auf queere Menschen in Berlin

Erschreckende Zahlen kommen aus Berlin: Noch nie haben die Berliner Register so viele Bedrohungen gegen Minderheiten erfasst wie im letzten Jahr. Einen besonders starken Anstieg hat es bei queerfeindlicher Gewalt gegeben.

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Seit Jahren dokumentieren die Berliner Register Diskriminierung und Ausgrenzung in all ihren Formen – auch jenen, die strafrechtlich nicht relevant sind. Für 2023 zeigt ihre Statistik einen neuen Höchststand an gemeldeten Fällen – quer durch alle Themenfelder.

Gut ein Viertel mehr Fälle als im Vorjahr wurden dokumentiert

So haben die Berliner Register im 2023 insgesamt 5.286 Fälle dokumentiert – um 1.130 Fälle mehr als im Jahr zuvor. Besonders auffallend sind die Anstiege etwa in Bereichen wie Rassismus (von 1.132 auf 1.429), politische Gegner:innen (von 407 auf 525) oder Behindertenfeindlichkeit (von 78 auf 189).

Dramatisch sind die Anstiege in den Bereichen Antisemitismus, wo die gemeldeten Fälle von 810 auf 1113 anstiegen, und bei Queerfeindlichkeit: Zählten die Berliner Register in diesem Bereich 2022 noch 239 Fälle, waren es im Vorjahr praktisch doppelt so viele, nämlich 464. Die Dunkelziffer dürfte weiter hoch sein.

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Fast doppelt so viele queerfeindliche Vorfälle gezählt

Für Projektleiterin Kati Becker ist es deutlich, dass es einen Zusammenhang zwischen der Mobilisierung im Internet und dem Geschehen auf der Straße gebe. „Hass im Netz verwandelt sich zu Hass auf der Straße“, sagt sie.

Weil queere Menschen und ihre Symbole sichtbarer geworden seien, gebe es auch mehr Gelegenheiten, sie anzugreifen. Für Anne Schaar vom Lesbischen Antigewaltprojekt L-Support sind die gemeldeten Fälle deshalb „nur die Spitze des Eisbergs“.

„Der zunehmende Hass und die steigende Gewalt gegen queere Menschen erschüttert unsere Stadt in ihren demokratischen Grundfesten“, erklärt Sebastian Walter, Sprecher für Queerpolitik bei den Berliner Grünen: „LGBTIQ müssen in ganz Berlin sicher sein, egal wo sie sich bewegen, ausgehen oder arbeiten.“

Nach Hamas-Angriff: Deutlich mehr antisemitische Vorfälle

In Folge des Krieges Israels gegen die Terrororganisation Hamas ist auch die Zahl der antisemitischen Vorfälle nach oben geschnellt. „Ich habe in fast 20 Jahren noch nie erlebt, dass Davidsterne an Wohnhäuser gesprayt wurden“, so Becker. 

Die Berliner Innenstadtbezirke seien von den antisemitischen Vorfällen stärker betroffen als Randbezirke. Als Gründe dafür vermuten die Berliner Register, dass es dort mehr Demonstrationen gebe und auch mehr jüdische Einrichtungen in der Innenstadt ihren Sitz hätten.