Schweizergarten: Neun Freier wegen Missbrauchs angeklagt

Ermittlungen nach Überfällen durch die Stricher haben auch für die Opfer ein Nachspiel

Landesgericht für Strafsachen Wien
Sebastian Baryli/Flickr - CC BY 2.0

Die Staatsanwaltschaft Wien hat Anklage gegen jenen 55-jährigen Slowaken eingebracht, der junge Landsleute im Schweizergarten der Prostitution zugeführt haben soll – darunter auch seinen gerade 15 Jahre alten Sohn. Auch neun Freier müssen sich nun vor Gericht verantworten.

Der 55-Jährige schickte seinen eigenen Sohn auf den Strich und kassierte

Die Staatsanwaltschaft führt sieben Burschen im Alter von 16 bis 20 Jahren als Missbrauchsopfer. Sie sind durchwegs Angehörige der ungarischen Minderheit in der Südslowakei, die in ärmlichsten Verhältnissen und ohne Zukunftsperspektive aufwuchsen.

In Wien sollten sie im Schweizergarten, einem beliebten Cruising-Gebiets in der Nähe des Hauptbahnhofs, anschaffen gehen. Der 55-Jährige soll den Transport der Burschen nach Wien organisiert haben und an ihren Einkünften mitkassiert haben. Unter den Burschen war auch einer seiner Söhne und andere junge Verwandte.

Dem 55-Jährigen wird deshalb von der Staatsanwaltschaft Menschenhandel, Prostitutionshandel und Zuhälterei vorgeworfen. Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft.

Den Freiern wird sexueller Missbrauch von Jugendlichen vorgeworfen – die auch bald vor dem Richter landen

Mitangeklagt sind auch neun Freier, die die sexuellen Dienste der Burschen in Anspruch genommen haben. Den Männern im Alter von 47 bis 78 Jahren kreidet die Staatsanwaltschaft sexuellen Missbrauch von Jugendlichen an. Der entsprechende Paragraf 207b StGB wurde als Ersatz für den „Homosexuellenparagrafen“ 209 StGB eingeführt. Den Männern – einer ist verheiratet, mehrere sind geschieden – drohen bei einem Schuldspruch bis zu drei Jahre Haft. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Doch auch die Burschen könnten hinter Gittern landen. Unabhängig von diesem Verfahren wirft die Staatsanwaltschaft den Strichern Gewalt- und Eigentumsdelikte gegen die Freier vor – sie brachten den ganzen Fall auch ins Rollen: Im Jänner 2017 wurde ein 66-Jähriger bei einem Überfall bis zur Bewusstlosigkeit verprügelt. Ein 78-Jähriger wurde vergangenen Mai von den Burschen überfallen und ausgeraubt.

Zwei mutmaßliche Täter befinden sich in der Justizanstalt Wien-Josefstadt in Wien in U-Haft. Im Zuge der Ermittlungen konnte die Wiener Polizei nicht nur zahlreiche Delikte in der Stricherszene aufklären, sondern auch die Strukturen dahinter aufdecken. So kam es auch zur Anklage gegen den 55-Jährigen und die Freier.