„Fall Amerell“ eingestellt

In Luft aufgelöst hat sich einer der größten Skandale, den der deutsche Fußball in den letzten Jahren erschüttert hat: Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat alle Ermittlungen im Fall des ehemaligen Schiedsrichterfunktionärs Manfred Amerell wegen sexueller Nötigung eingestellt – genauso wie die Ermittlungen des Schiedsrichters Michael Kempter wegen Verleumdung.

Der 27-jährige Kempter hatte dem DFB-Fuktionär Amarell vorgeworfen, ihn sexuell belästigt zu haben. Das bestreitet der ehemalige Schiedsrichter-Beobachter. Als drei weitere Schiedsrichter ebenfalls Vorwürfe gegen den 63-Jährigen erheben, klagt dieser alle vier Männer wegen Verleumdung. In allen Fällen wurden die Ermittlungen eingestellt.

„Die Vernehmungen und die Auswertung des SMS- und Email-Verkehrs zwischen den Verfahrensbeteiligten haben keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür ergeben, dass der Beschuldigte bewusst einen Widerstand der vier Schiedsrichter gegen seine sexuellen Handlungen überwinden musste“, so die Staatsanwaltschaft Augsburg. Es könne aber auch nicht nachgewiesen werden, dass die vier Schiedsrichter bewusst gelogen haben.

Während die Staatsanwaltschaft also der Meinung ist, dass der „Fall Amerell“ gar keiner sei, interpretieren die Beteiligten die Einstellung der Ermittlungen unterschiedlich. Für Amerell handelt es sich um einen „Freispruch erster Klasse“. Der DFB, der Amerell ohne Beweis einer Schuld gefeuert hatte, sieht sich aber ebenfalls im Recht: Es sei bestätigt, „dass Herr Amerell aus verbandsrechtlicher Sicht seine Amtspflichten verletzt hat und ein Rücktritt unumgänglich war“. Und auch die betroffenen Schiedsrichter sehen sich nun bestärkt. Deren Anwalt, Daniel Krause, gibt bekannt, dass sich seine Mandanten durch die Einstellung des Verfahrens bestärkt darin sehen, „sich dem DFB zu diesen Vorfällen zu offenbaren und auf diesem Wege auf Missstände im Schiedsrichterwesen aufmerksam zu machen“.

Sichere Verlierer in dieser Schlammschlacht sind schwule Männer im Fußball: Kempter betont nach wie vor, heterosexuell zu sein – trotz der staatsanwaltlich festgestellten widerstandsfreien sexuellen Handlungen mit Amerell. Und Corny Littmann, der scheidende offen schwule Präsident des FC St. Pauli, kritisierte das Krisenmanagement des DFB: „Schwule Schiris sind nicht wohlgelitten im deutschen Schiedsrichterwesen, wenn sie sich offen verhalten“, ist seine Erkenntnis.