Schwule haben in Tunesien kein „Recht auf Perversion“

Menschenrechtsminister wettert erneut gegen Homosexualität

Flagge von Tunesien
Fotolia

Erneut hetzt die politische Elite in Tunesien gegen Lesben und Schwule. Bei einer „Kalifatskonferenz“ in Tunis am Wochenende, die von der „Partei der Befreiung“ („Hizb ut-Tahrir“) organisiert wurde, haben die rund 500 großteils weiblichen Teilnehmer wesentliche Errungenschaften der westlichen Demokratie verurteilt.

Politische Elite hetzt gegen „homosexuelle Perversion“

Deren Freiheiten seien „die Freiheit zur Desintegration der Familie und die Freiheit zur homosexuellen Perversion“, erklärte Konferenzsprecherin Nasrin Nawaaz, eine britische Staatsbürgerin, vor der Presse.

Ins gleiche Horn stieß auch der tunesische Menschenrechtsminister Samir Dilou von der gemäßigt-islamischen „Ennahda“-Partei. Er hat auf dem Treffen Homosexualität als „Perversion“ bezeichnet. Weiters rühmte er sich damit, das erst im März 2011 gegründete Lesben- und Schwulenmagazin „Gayday“ verboten zu haben. Die Revolution gegen die Diktatur habe nicht das „Recht auf Perversion“ garantiert, erklärte Dilou – was ihm scharfe Kritik der Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ einbrachte.

Bis zu drei Jahre Haft für Homosexualität in Tunesien

Es ist nicht das erste Mal, dass Dilou gegen Lesben und Schwule hetzt. Vor etwas mehr als einem Monat hat er in einer Fernsehsendung klar gemacht, dass sexuelle Orientierung für ihn kein Menschenrecht sei.

Homosexualität wird in Tunesien mit drei Jahren Haft bestraft. Gegen Schwule gibt es immer wieder vereinzelte Übergriffe, die Stimmung im Land hat sich in den letzten Monaten verschlechtert. Im Internet nimmt die Zahl an homophoben Posts stark zu. Da Homosexualität als Zeichen westlicher Dekadenz gilt, ist ein offen schwules Leben in Tunesien praktisch unmöglich.