Todesdrohungen nach Lesben-Kuss im ORF-Familienprogramm

Um den Blutdruck der Zuseher der ORF2-Sendung „heute leben“ zu erhöhen, benötigt man normalerweise Medikamente. Die Models eines Jungdesigners haben das auch ohne Pharmazie geschafft: Sie haben sich geküsst. Zuseher sind erregt, der ORF amüsiert.

Es war am Montag, als der Weser Jung-Designer Mark Baigent seine avantgardistische Mode vor 400.000 Zusehern präsentieren durfte. Doch plötzlich tanzten zwei seiner Models aus der Reihe: Sie fingen an, sich zu küssen – mitten im Vorabendprogramm.

Moderator Wolfram Kirchner versuchte, die Situation zu beruhigen. „Hört’s auf, das ist eine jugendfreie Sendung! Da wird es Zuschriften regnen“, rief er den küssenden Frauen zu. Der Designer nahm es mit Humor: „Damit könnten wir auch ins Café Prückel gehen“, witzelte er.

Die Aktion geschah spontan. „Aber sollte ein Kuss zwischen Frauen nicht genauso normal sein wie zwischen Mann und Frau?“, erklärt er der Tageszeitung „Heute“. Und Unterstützung gibt es auch vom ORF. „Küssen ist gesund“, meint „heute leben“-Sendungsverantwortlicher Christian Heiliger zu dem Vorfall.

Doch ganz so locker sahen die Zuseher von „heute leben“ den Lesben-Kuss offenbar nicht. Ein konservativer Shitstorm brach auf den ORF und Mark Baigent ein. „Hass-Posts wie ‚Ich bringe dich um‘ gehen mir sehr nahe“, so der Jung-Designer gegenüber „Heute“.

Und das sind nicht die einzigen negativen Kommentare auf den Lesben-Kuss im ORF-Vorabend. „Wie kann man solche Menschen nur herzeigen bei so einer Sendung“, regt sich Facebook-User Chris D. auf. Und Georg H. finden Frauen, die sich küssen, „einfach widerlich“. Er richtet dem ORF via Facebook auf, keine ORF-Gebühren mehr zahlen zu wollen: „Mir reicht’s endgültig“.