Home Religion Islam Islamisches Opferfest in schwul-lesbischem Zentrum sorgt für Diskussionen

Islamisches Opferfest in schwul-lesbischem Zentrum sorgt für Diskussionen

Das Opferfest ist wohl das wichtigste islamische Fest. Deshalb sollten es auch Asylwerber feiern können, dachten sich Helfer in Stutgart. Doch die Feier wurde nicht wie geplant von einem Imam eröffnet – weil sie in einem schwul-lesbischen Zentrum stattfand.

Rund 440 Menschen sind derzeit im Haus Martinus der Caritas in Stuttgart untergebracht. Der Großteil von ihnen sind Musilme. Auch sie sollten das Fest begehen können, dachten sich die rund 30 Helfer vom Flüchtlings-Freundeskreis Haus Martinus.

Doch die Suche nach einem passenden Ort gestaltete sich schwieriger als gedacht. Schließlich landeten die Helfer beim Verein Weissenburg, den Träger des schwul-lesbischen Zentrums Stuttgart in der Weißenburgstraße. Der half spontan und stellte seine Räume für die Feier zur Verfügung.

Rund 200 Menschen kamen zu dem Fest. „Sie haben sich sehr gefreut“, erinnert sich Yannick Schulze vom Freundeskreis gegenüber den „Stuttgarter Nachrichten“. Vertreter mehrere Moscheevereine verteilten Süßigkeiten an die Kinder, wie es an diesem Festtag üblich ist. Unter ihnen auch der Stuttgarter Verein der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), der die größte Moschee der Stadt betreibt.

Dessen Imam sagte zu, das Fest zu eröffnen. Doch wenige Minuten davor sagte der muslimische Geistliche telefonisch ab. „Er sagte, seine Moscheegemeinde habe ihm nicht gestattet, in unserem Zentrum das Fest zu eröffnen“, so Joachim Stein, Vorstand des Weissenburg-Vereins. Denn das Schwulen- und Lesbenzentrum sei ein „unreiner Ort“, so die Begründung.

Das ist für Stein und seine Mitstreiter ein Skandal: Die Begründung zeuge von einer Einstellung, „die in einer pluralen demokratischen Gesellschaft keinen Platz haben kann“. Stuttgarts Muslime müssten sich überlegen, in welcher Gesellschaft sie leben wollten und ob „Ausgrenzung anderer Minderheiten aus religiösen Gründen darin Platz haben kann“.

Bei Ditib in Stuttgart gibt man sich ahnungslos: Der Vorsitzende des Vorstands befinde sich im Ausland, sein Stellvertreter Bahattin Akyildiz will nichts mitbekommen haben: „Ich kann mir das nicht vorstellen. Wir wären die Letzten, die so etwas absagen“, erklärt er den „Stuttgarter Nachrichten“.

Um solche Missverständnisse künftig zu vermeiden, arbeitet der Verein Weissenburg nun mit der Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg an einem Modellprojekt. Es soll Modelle entwickeln, die die Ausgrenzung sexueller Minderheiten im muslimischen Umfeld verhindern.