Familiensynode: Weltkirche blockiert Forschritte bei Haltung gegenüber Homosexuellen

Unverbindlich bleibt die „Familiensynode“ der römisch-katholischen Bischöfe, wenn es um das Thema Homosexualität geht. Im Abschlussdokument des Treffens, das am Samstag nach drei Wochen in Rom zu Ende geht, beschäftigt sich nur ein Absatz mit dem Thema – und der bietet wenig Neues.

„Sie werden nicht viel darüber finden, jemand wird enttäuscht sein“, gab auch der Wiener Erzbischof, Christoph Kardinal Schönborn, der auch Wortführer der deutschsprachigen Bischöfe war, in seiner Pressekonferenz im Vatikan zu.

„Das Thema der Homosexualität ist von den Synode-Teilnehmern lediglich unter dem Lichtblick der Familie betrachtet worden. Zum Beispiel, wenn wir die Erfahrung eines Bruders, einer Schwester oder eines Onkels machen, die homosexuell sind. Die Frage ist, wie man mit dieser Situation als Christ umgehen kann“, sagte der Wiener Erzbischof.

Das äußert sich im Schlussdokument in erster Linie in hohlen Floskeln: So werde von den Diözesen eine besondere Aufmerksamkeit für Familie mit homosexuellen Mitgliedern gefordert. Auch müsse jeder Mensch unabhängig von seiner sexuellen Neigung in seiner Würde respektiert werden, jede „ungerechtfertigte Diskriminierung“ müsse verhindert werden.

Doch was die römisch-katholische Kirche im Gegenzug wohl als „gerechtfertigte Diskriminerung“ versteht, erklärt sie in dem Schlussdokument zur Familiensynode gleich selbst: So könnten gleichgeschlechtliche Beziehungen „keineswegs als Ehe oder gar als Familie“ betrachtet werden.

Dabei bezieht sich das Schlussdokument auf den entsprechenden Text der Glaubenskongregation aus dem Jahr 2003. In diesem wird die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften unter anderem als „Billigung oder Legalisierung des Bösen“ und „abwegiges Verhalten“ beschrieben.

Die Synode kritisierte außerdem, dass internationale Organisationen in einigen Fällen finanzielle Hilfen für Entwicklungsländer von der Einführung von Gesetzen abhängig machen, die die gleichgeschlechtliche Ehe vorsehen. Eine Passage, die wohl ein Zugeständnis an die römisch-katholische Kirche in Afrika ist: Denn in den Fällen, in denen Entwicklungshilfe mit LGBT-Themen gekoppelt wurde, ging es nie um eine Ehe-Öffnung, sondern nur um Legalisierung von Homosexualität und Einführung menschenrechtlicher Mindeststandards für sexuelle Minderheiten.

Indirekt gab das auch Schönborn zu: Im Verlaufe der Beratungen habe sich gezeigt, dass die kulturellen und politischen Umstände zu unterschiedlich seien, um in der Frage der Homosexuellen zu einen Konsens unter den Synodenmitgliedern zu gelangen, so Schönborn: „Aber auf einer universellen Ebene muss man die unterschiedlichen politischen und kulturellen Situationen berücksichtigen.“

Erledigt ist die Beschäftigung damit für die römisch-katholische Kirche aber nicht: Dass das Thema nicht ausführlicher im Abschlussdokument vorkomme, heiße jedoch nicht, dass die katholische Kirche in Europa und Amerika sich nicht mit diesem Thema beschäftigen müsse, so der als pragmatisch und gut vernetzt geltende Wiener Erzbischof.

Das Abschlussdokument der dreiwöchigen Familiensynode ist für den Papst nicht verbindlich. Am Ende entscheidet er ganz allein, was sich ändert und was nicht.