Paris: Islamist soll Anschläge auf Schwulenbars geplant haben

22-Jähriger gab im Internet an, es auch auf Discotheken und LGBT-Lokale abgesehen zu haben

Paris: Triumphbogen bei Nacht
FranziWa/Pixabay - C00

In Frankreich wurde letzten Dienstag ein 22-jähriger mutmaßlicher Islamist in der Pariser Vorortregion Seine-Saint-Denis festgenommen. Er soll eigenen Angaben zufolge unter anderem gezielt Anschläge auf Schwulenbars geplant haben. Das berichten mehrere französische Zeitungen unter Berufung auf Ermittlerkreise.

22-Jähriger soll Discos, Lesben- und Schwulenbars oder Sexclubs als Ziel für Anschläge vorgesehen haben

Den Zeitungen zufolge soll der Mann, der in Saint-Denis gelebt hat, gezielt Anschläge auf Discos, Lesben- und Schwulenbars und Libertine-Lokale, das sind gehobene Sex-Clubs für Hetero- und Homosexuelle, geplant haben. Das soll er im Internet angekündigt haben. Konkrete Orte dürfte er aber noch nicht ausgespäht haben, die Polizei gab dazu keine näheren Informationen.

Der 22-Jährige, der noch bei seinen Eltern gewohnt hat, wurde festgenommen, als er sich Waffen für den Anschlag besorgen wollte. Er hat sich offenbar selbst radikalisiert und lobte in sozialen Netzwerken den Dschihad. Vor seiner Festnahme wurde er mehrere Wochen lang vom Inlandsgeheimdienst DGSI beschattet.

Trotz des Fehlens eines konkreten Anschlagsplans griffen die Beamten letzten Dienstag zu. Am Samstag wurde er schließlich wegen der Planung einer Straftat und eines terroristischen Aktes einem Anti-Terror-Richter vorgeführt und angeklagt. Über den 22-Jährigen wurde Untersuchungshaft verhängt.

„Warum wir euch hassen“: IS ruft zu Anschlägen auf die LGBT-Community auf

Die LGBT-Szene gilt seit Jahren als mögliches Anschlagsziel für islamistisch motivierte Terroristen. In ihrem Propagandamagazin Dabiq rief die Terrormiliz „Islamischer Staat“ letzten August in einem Artikel mit dem Titel „Warum wir euch hassen“ zum Kampf gegen „Sodomiten“ auf.

Der bisher schlimmste Fall eines islamistischen Anschlags auf die LGBT-Community war der Amoklauf im Pulse, einem Nachtclub in Orlando. Der selbst radikalisierte Islamist Omar Mateen hat dort am 12. Juni letzten Jahres 49 Menschen getötet und 58 weitere verletzt, bevor er selbst von der Polizei erschossen wurde.

Belgische Islamisten verkehrten in Brüssler Schwulenbars – die Gründe dafür sind bis heute unklar

Berichten zufolge soll unter anderem Salah Abdeslam, einer der mutmaßlichen Attentäter, die am 13. November 2015 in Paris Terroranschläge mit insgesamt mehr als 130 Toten verübt hatten, wiederholt Schwulenbars in Brüssel besucht haben. Ob er ein Anschlagsziel ausgespäht hat oder Besucher berauben wollte, konnte nie abschließend geklärt werden.

Wie die belgische Zeitung Nieuwsblad im März 2016 berichtet hat, wurden jugendliche Islamisten, die sich für den Kampf in Syrien bewähren wollten, auch in die Stricher- und Schwulenbars der belgischen Hauptstadt geschickt. Dort flirteten sie mit ahnungslosen Männern und begleiteten sie nach Hause, wo die ahnungslosen Opfer überfallen, gefesselt und ausgeraubt wurden.