Berlin-Neukölln: Schwule Männer mit Steinen beworfen

Drei Unbekannte zielten in Neukölln mit Pflastersteinen auf die schwulen Männer

U-Bahn-Station Boddinstraße
Dustalker/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

In Berlin sind am Donnerstagnachmittag zwei Männer schwulenfeindlich beleidigt und mit Steinen beworfen worden. Das berichtet die Berliner Polizei.

Das Paar wurde von drei Männern beleidigt, dann warfen sie mit Pflastersteinen

Die beiden Männer, 33 und 44 Jahre alt, waren im Bezirk Neukölln unterwegs. Gegen 17.25 Uhr kamen an der Ecke Mainzer Straße/Boddinplatz plötzlich drei Unbekannte auf das Paar zu. Den bisherigen Ermittlungen zufolge beleidigte das Trio die beiden Männer zunächst lautstark mit schwulenfeindlichen Beschimpfungen.

Doch das reichte den Männern nicht: Sie nahmen kleine Pflastersteine und zielten damit auf die beiden schwulen Männer. Wie durch ein Wunder verfehlten die Steine ihr Ziel. Sie trafen ein Toilettenhäuschen, das dadurch beschädigt wurde. Anschließend flüchteten die Männer.

Ein Zeuge erkannte einen mutmaßlichen Täter am Ort des Geschehens

Das Paar erstattete Anzeige. Gegen 19.00 Uhr riefen Zeugen des Angriffs die Polizei erneut zum Boddinplatz: Sie gaben an, einen der mutmaßlichen Täter erkannt zu haben. Dabei handelt es sich um einen 18-Jährigen, dessen Personalien von der Polizei aufgenommen wurden. Danach kam der junge Mann wieder auf freien Fuß. Wie bei allen Hassdelikten hat der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin alle weiteren Ermittlungen übernommen.

Gewalt gegen sexuelle Minderheiten ist in Berlin keine Seltenheit: Erst in der Woche vor diesem Angriff ist ein schwules Paar ebenfalls in Neukölln beleidigt und angegriffen worden. Ein Paar wurde von einem betrunkenen Jugendlichen angestänkert und bedroht, anschließend trat der Jugendliche einem der beiden Männer gegen den Unterschenkel. Dabei fiel der Mann zu Boden und verletzte sich leicht.

Zahl der Angriffe gegen sexuelle Minderheiten steigt leicht

Dem aktuellen Bericht des Anti-Gewalt-Projekts Maneo zufolge wurden im Jahr 2017 insgesamt 324 Übergriffe gegen sexuelle Minderheiten registriert. Das sind um 33 Fälle, etwa zehn Prozent, mehr als im Jahr zuvor. 54 Prozent dieser Übergriffe fanden dabei in der Öffentlichkeit statt – zum Beispiel auf der Straße, in Lokalen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Dass so viele Übergriffe aus Berlin gemeldet werden, liegt nicht unbedingt daran, dass sexuelle Minderheiten in der deutschen Bundeshauptstadt unsicherer sind: Vielmehr werden diese Vorfälle konsequenter registriert und transparent gemacht. Auch gibt es bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft eigene Ansprechpartner für die LGBTI-Community.