USA: Russische Trollfabrik köderte unsichere LGBT-Teenager

"Wenn du jemanden zum Reden brauchst, bin ich hier und werde zuhören..."

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Die „Internet Research Agency“ (IRA), eine russische Troll-Fabrik, hatte offenbar auch verunsicherte LGBT-Jugendliche in den Vereinigten Staaten im Visier. Das geht aus einer umfassenden Analyse der russischen Desinformationskampagnen zur US-Präsidentschaftswahl 2016 hervor, die am Montag vom US-Kongress veröffentlicht wurde.

„LGBT United“ gab vor, Teenagern helfen zu wollen

Wie das Online-Magazin The Verge berichtet, richtete das Desinformationszentrum auch eine Facebook-Seite für eine nicht existierende Gruppe namens „LGBT United“ ein. Diese gab vor, LGBT-Teenagern aus schwierigen Lebenssituationen zu helfen.

„Wenn irgendein schwuler, lesbischer oder transgender Teenager jemanden zum Reden braucht, bin ich hier und werde zuhören“, hieß es auf einer Grafik, die auf der Seite gepostet wurde: „Ich suche kein Date oder sowas. Ich verrate nicht einmal mein Geschlecht oder meinen Namen. Die Zeiten sind hart und niemand verdient es, sich alleine zu fühlen.“

Sollten Betroffene mit ihren intimen Geständnissen erpresst werden?

Ob sich wirklich jemand bei dem Fake-Profil gemeldet und dort Hilfe gesucht hat, ist nicht bekannt. Auch ist nicht sicher, was die Troll-Fabrik aus St. Petersburg mit den Informationen gemacht hat. Es gibt Vermutungen, dass damit Betroffene erpresst werden sollten.

Denn neben „LGBT United“ hat die IRA nach den Informationen des US-Kongresses auch zwei Facebook-Seiten aufgesetzt, die sich an erzkonservative evangelikale Christen richten sollten, einer wichtigen Wählerschicht für Donald Trump. Dabei gaben die russischen Trolle vor, eine „Hotline gegen Masturbationssucht“ zu sein.

Die Russen richteten auch eine Hotline gegen „Masturbationssucht“ ein

Unter dem Namen „Army of Jesus“ zeigten sie ein Bild, das Jesus Christus neben einem verzweifelten Jugendlichen zeigt. „Leidest du an Masturbationssucht? Melde dich bei mir und wir schlagen diese Sucht gemeinsam“, war neben diesem Bild zu lesen.

Die Analyse zur Beeinflussung der US-Präsidentenwahl 2016 wurde von der Oxford University und der Analysefirma Graphika durchgeführt. Insgesamt wurden zwanzig Seiten untersucht, die im Verdacht stehen, von der IRA ins Leben gerufen wurdenzu sein.

Diese generierten 39 Millionen Likes, 31 Millionen Shares, 5,4 Millionen Interaktionen und 3,4 Millionen Kommentare. Insgesamt erreichte die russische Kampagne damit 126 Millionen Menschen via Facebook. Weitere 20 Millionen Menschen erreichte die IRA über 133 Konten, die sie auf Instagram ins Leben gerufen hatte.