Mord in Berliner Cruising-Gebiet: Polizei identifiziert Tatverdächtigen

Der Täter soll ein Jahr nach der Tat seine eigene Mutter ermordet haben

Polizei
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Nach mehr als eineinhalb Jahren dürfte der Mord an Stefan Unterweger geklärt sein: Der 34-jährige Südtiroler, der in Berlin gelebt hat, war am 14. Mai 2017 gegen 5.00 Uhr früh mit Stichverletzungen im Volkspark Friedrichshain gefunden worden, einem beliebten Cruising-Gebiet. Wenig später erlag er seinen Verletzungen.

DNA-Spur, Täterwisen: Ein 34-Jähriger ist dringend tatverdächtig

Nun hat die Polizei einen Tatverdächtigen ermittelt. Es handelt sich dabei um einen psychisch kranken Mann, der an Wahnvorstellungen leidet und letztes Jahr seine Mutter umgebracht haben soll.

Der 34-Jährige Mann aus Cloppenburg in Niedersachsen wurde durch eine DNA-Spur am Tatort überführt. In seiner Vernehmung räumte er die Tötung des Südtirolers ein, dabei gab er auch Wissen zur Tat preis. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Der mutmaßliche Täter und sein Opfer dürften sich nicht gekannt haben

Der mutmaßliche Täter und sein Opfer kannten sich nach jetzigem Ermittlungsstand nicht und dürften sich zufällig am späteren Fundort, dem „kleinen Bunkerberg“ im Volkspark Friedrichshain, getroffen haben. Warum der Niedersachse zugestochen haben könnte, konnte nicht geklärt werden. Die Berliner Polizei vermutet, dass die psychische Erkrankung des Verdächtigen dabei eine Rolle gespielt hat.

Der Mann ist wegen dieser Erkrankung und den damit einhergehenden Wahnvorstellungen schuldunfähig. Letztes Jahr wurde er vom Landgericht Cloppenburg in die Psychiatrie eingewiesen, weil er im April 2018 hatte er in der niedersächsischen Stadt seine Mutter mit einem Beil getötet hatte. Zuvor hielt er sich immer wieder in Berlin auf, so auch zum Zeitpunkt der Tat. In der deutschen Hauptstadt ist er bislang nicht durch Straftaten in Erscheinung getreten.

Die Familie des Südtirolers ist erleichtert

In einer Stellungnahme, die der Anwalt der Hinterbliebenen herausgegeben hat, heißt es, man habe mit großer Erleichterung erfahren, dass der mutmaßliche Täter gefunden wurde. „Das ändert zwar nichts an der Tatsache, dass Stefan nicht mehr bei uns ist, aber es erspart vielleicht einer anderen Familie einen ähnlich leidvollen Verlust. Der angebliche Täter hat uns unseren Sohn, Bruder, Lebenspartner und Freund genommen, damit müssen wir jeden Tag aufs Neue lernen zu leben. Wir müssen es annehmen und akzeptieren. Sich jedoch hat er ebenfalls um sein Leben gebracht, denn er muss mit dem Wissen zurechtkommen, ein Menschenleben ausgelöscht zu haben.“

Die Familie betrachte die Angelegenheit im Hinblick auf das Interesse der Öffentlichkeit als abgeschlossen, heißt es weiter: Der mutmaßliche Täter werde seine Strafe bekommen und die Familie  könne sich nun darauf konzentrieren, den Verlust zu verarbeiten. Man bedanke sich bei all jenen, die der Familie in dieser schweren Zeit zur Seite gestanden seien und werde keine weiteren Stellungnahmen abgeben.

Unterweger lebte mit seinem Lebensgefährten Mathias nur etwa einen Kilometer vom späteren Tatort entfernt. Wie dieser später einer Boulevardzeitung erklärte, wollte der 34-Jährige gegen 2.00 Uhr noch spazieren gehen, was durchaus häufiger vorkam. Als er am nächsten Morgen noch immer nicht zurück war, suchte ihn sein Freund – und sah gegen 7.30 Uhr die Polizisten im Park.