Kindesmissbrauch vertuscht: Kardinal reicht Rücktritt ein

Nach dem Urteil in erster Instanz hatte Kardinal Barbarin einen Termin beim Papst

Philippe Barbarin
Erzbistum Lyon

Anfang März ist Kardinal Philippe Barbarin, der oberste katholische Würdenträger von Frankreich, wegen der Vertuschung von Kindesmissbrauch zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Nun hat er seinen Rücktritt eingereicht, gegen das Urteil will er berufen.

Nun muss der Papst über den Rücktritt von Kardinal Barbarin entscheiden

Barbarin, der Erzbischof von Lyon ist, hatte um das Treffen mit Papst Franziskus gebeten. Am Montag fand dieses Treffen im Vatikan statt. Dabei hat der Kardinal um seinen Rücktritt gebeten. Nun muss der Papst entscheiden, ob er Barbarins Entlassungsgesuch annehmen wird.

Die Entscheidung des 68-Jährigen, beim Papst seinen Rücktritt einzureichen, unterliege dem „persönlichen Gewissen“ des Kardinals, so die Französische Bischofskonferenz in einer kurzen Stellungnahme. Gleichzeitig bekräftigte die Bischofskonferenz ihre Entschlossenheit, gegen den Missbrauch von Minderjährigen durch Geistliche vorzugehen.

Barbarin soll den Missbrauch von Jugendlichen durch einen Priester vertuscht haben

Ein Gericht in Lyon hatte Barbarin am 7. März für schuldig befunden, den sexuellen Missbrauch von bis zu 70 minderjährigen Burschen durch den Priester Bernard Preynat vertuscht zu haben. Deshalb wurde er zu sechs Monaten Haft auf Bewärung verurteilt. Der Kardinal will gegen das Urteil berufen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Die Bischofskonferenz ließ dazu nur kurz wissen, dass man das Urteil zur Kenntnis nehme und auf das Ergebnis der Berufungsverhandlung warte.

Während der Gerichtsverhandlung haben mehrere Opfer Kardinal Barbarin stark belastet. Sie gingen davon aus, dass der Erzbischof bereits seit dem Jahr 2000 von den Missbrauchsvorwürfen wusste, aber nicht zur Polizei ging. Barbarin selbst betonte, dass er zu dieser Zeit nur „Gerüchte“ über Preynat gehört hatte. Erst 2014 habe er von den Vorfällen erfahren , als das mutmaßliche Opfer Alexandre Hezez ihn kontaktierte. Barbarin bezeichnete diese Informationen aber als „vage“. Er hat dem Pfarrer erst 2015 den Umgang mit Jugendlichen verboten und seines Amtes enthoben.

Der Priester versprach dem Bischof, seit 1991 niemanden mehr missbraucht zu haben – und dieser ließ ihn gehen

Gegenüber der Tageszeitung Le Monde sagte Barbarin im Jahr 2017, dass ihm dieser Priester geschworen hatte, dass er nach 1991 niemanden mehr missbraucht hatte. „Ich habe das dann zu überprüfen versucht und wir haben nichts gefunden“, so der Kardinal. Den Vorwurf der Vertuschung wies der 68-Jährige zurück – räumte allerdings ein: „Heute würden wir uns nicht mehr so verhalten.“

Neben Barbarin standen noch fünf weitere ehemalige Mitarbeiter der Diözese seit Anfang Jänner vor Gericht. Zehn Mitglieder, ehemalige Pfadfinder und mutmaßliche Missbrauchsopfer des Priesters Preynat, traten als Nebenkläger auf. Preynat selbst soll noch dieses Jahr vor Gericht gestellt werden.