Reformierte Kirche stellt schwule und lesbische Paare bei Trauung gleich

Echte Gleichstellung statt Segnung "eheanaloger" Beziehungen

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Die evangelisch-reformierte Kirche in Österreich stellt hetero- und homosexuelle Paare bei der Trauung gleich. Damit geht sie einen Schritt weiter als die evangelisch-lutherische Kirche, die vor kurzem eine öffentliche Segnung für die „eheanalogen“ Beziehungen beschlossen hat. Die Reformierten sind – nach den Lutheranern – die zweitgrößte evangelische Kirche in Österreich.

„Ab nun können in unserer Kirche alle Paare getraut werden“, freut sich der Kirchenchef

Damit sei eine völlige Gleichstellung verheirateter homo- und heterosexueller Paare erreicht, so die Kirchenleitung. Der Beschluss wurde am Samstag auf der Synode der Evangelischen Kirche H. B. einstimmig gefällt. „Ab nun können in unserer Kirche alle Paare getraut werden und bekommen dafür den Segen. Und das ist gut so“, so Landessuperintendent Thomas Hennefeld.

„Der Beschluss unserer Synode, die Trauung für alle einzuführen, ist kein großer aber ein wichtiger Schritt für unsere Reformierte Kirche“, betont Hennefeld. Damit würden „die letzten Reste an Diskriminierung gegenüber homosexuellen Menschen“ beseitigt. Diese hätten in der Vergangenheit viel Leid erfahren.

Bereits seit 1999 gibt es öffentliche Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare

Grundlage für eine Trauung bei der evangelisch-reformierten Kirche ist auch hier eine vor dem Standesamt geschlossene Zivilehe. Für eingetragene Partnerschaften wird es wie bisher die Möglichkeit einer Segnung im Gottesdienst geben. Anlass für die erneute Diskussion über eine Öffnung der Trauung in der Reformierten Kirche war die Möglichkeit zivilrechtlicher Eheschließungen für gleichgeschlechtliche Paare.

Bereits seit 1999 konnten schwule und lesbische Paare in der reformierten Kirche in öffentlichen Gottesdiensten gesegnet werden – in der lutherischen Kirche sind solche „Segnungen in einem öffentlichen Gottesdienst“ erst letzte Woche beschlossen worden – als Kompromiss zwischen den Gegnern und den zahlenmäßig überlegenen Befürwortern einer vollwertigen Trauung.

Die lutherische Kirche in Österreich scheut sich noch vor einer völligen Gleichstellung

Für die Lutheraner bleibt die Ehe deshalb auch die „auf lebenslange Treue angelegte Lebensgemeinschaft von Mann und Frau“. Eine gleichgeschlechtliche Zivilehe gilt nach dem Verständnis der Kirche nur als „eheanalog“. Diese Entscheidung der Evangelischen Kirche A. B. wird von LGBT-Aktivisten anerkannt, aber wegen der fehlenden Gleichstellung auch kritisiert.

Die Synode der Evangelische Kirche H.B. setzt sich laut Kirchenverfassung aus den Gemeindepfarrerinnen und -pfarrern, gewählten Presbyterinnen und Presbytern – also ehrenamtlichen Gemeindemitgliedern – und je einem Vertreter der Theologischen Fakultät, der Religionslehrern sowie der Diakone und Diakoninnen zusammen.

Zur evangelisch-reformierten Kirche in Österreich gehören rund 13.000 Mitglieder in 9 Pfarrgemeinden. Sie ist damit deutlich kleiner als die evangelisch-lutherische Kirche, die rund 300.000 Mitglieder in Österreich hat. Dritte protestantische Kirche in Österreich sind die Methodisten mit etwa 1.500 Mitgliedern.