Doppelt so viele Angriffe auf sexuelle Minderheiten in Berlin-Neukölln

Alarmierende Zahlen aus dem Berliner Szene-Kiez vom Anti-Gewalt-Projekt Maneo

Blaulicht
Symbolbild - Archiv

Im Berliner Bezirk Neukölln hat sich die Zahl der gemeldeten Übergriffe gegen sexuelle Minderheiten im letzten Jahr verdoppelt. Das geht aus den aktuellen Zahlen des Anti-Gewalt-Projekts Maneo hervor. Die Polizei kann diesen starken Anstieg nicht bestätigen.

38 Fälle im letzten Jahr: Von Attacken mit Steinen bis zu Beleidigungen und Körperverletzungen

So hat Maneo im letzten Jahr insgesamt 38 Übergriffe gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- oder intersexuelle Personen in Neukölln gezählt – was den aufkommenden Stadtteil auf den zweiten Platz der Berliner Bezirke katapultiert. Die tatsächliche Zahl der Übergriffe könnte aber deutlich höher sei: Schätzungen zufolge werden 90 Prozent der Fälle nicht gemeldet.

Im Mai 2018 wurden beispielsweise zwei Männer wegen ihrer Homosexualität von Unbekannten beleidigt und mit Steinen beworfen – wie durch ein Wunder wurden die Angegriffenen nicht verletzt. Nur wenige Tage zuvor verletzte ein betrunkener 16-Jähriger in Neukölln einen schwulen Mann, der mit seinem Partner unterwegs war. Im September 2018 wurde ein 20-Jähriger in Neukölln vor seiner eigenen Wohnung von drei jungen Männern schwulenfeindlich beleidigt und angegriffen, als er in der Wohnung war, schlug das Trio eine Scheibe ein.

Wenn queere Menschen sichtbarer sind, erhöht das auch das Risiko eines Angriffs

Immer mehr queere Menschen leben in Neukölln und sind dann dort auch sichtbar – und das erhöht das Risiko, dass sie angegriffen werden“, erklärt Maneo-Chef Bastian Finke bei der Präsentation der aktuellen Zahlen. Dieses Phänomen kenne er schon aus dem Regenbogenkiez in Schöneberg oder auch aus Friedrichshain-Kreuzberg. „Nun ist das auch in Neukölln angekommen“, so Finke.

Bei der Berliner Polizei wurden 2018 in Neukölln allerdings nur zwei Gewaltdelikte mehr angezeigt als im Jahr zuvor. „Aber die Brutalität der Gewaltdelikte hat uns erschreckt“, erklärt Sebastian Stipp, eine von zwei Ansprechpersonen der Berliner Polizei für queere Menschen: „Selbst wenn jemand schon wehrlos am Boden liegt, wird noch weitergetreten.“

Die Polizei hat für Opfer von Hasskriminalität eigene Ansprechpartner

Die meisten Übergriffe gegen queere Menschen gibt es Maneo zufolge im letzten Jahr in Schöneberg, wo sich auch der Regenbogenkiez befindet. Dort danken die gemeldeten Angriffe um mehr als ein Viertel. Dann folgt Neukölln. Die drittmeisten gemeldeten Übergriffe gab es in Mitte, auf dem vierten Platz folgt Kreuzberg.

Wer Opfer von Hasskriminalität wird, kann auf der Internetwache der Polizei Berlin online eine Anzeige aufgeben. Außerdem gibt es bei der Berliner Polizei zwei Ansprechpersonen für LSBTI. Sie sind unter der Telefonnummer +49/(0)30 /4664 979 444 erreichbar. Beim schwulen Anti-Gewalt-Projekt Maneo können LGBTI-feindliche Straftaten aus Berlin über die Webseite oder das Überfalltelefon unter der Nummer +49/(0)30 /216 33 36 (täglich von 17 bis 19 Uhr) gemeldet werden.