Berlin: Mann greift vier Schwule an – einer schlägt zurück

Als die Polizei kam, erstattete der Angreifer kleinlaut Anzeige

Brandenburger Tor
Groman123/Flickr - CC BY-SA 2.0

In Berlin-Kreuzberg hat in der Nacht auf Montag ein 27-Jähriger vier Männer schwulenfeindlich beschimpft und bedroht. Doch mit der Reaktion der Beleidigten hat er offenbar nicht gerechnet – und schließlich kleinlaut selbst die Polizei um Hilfe gebeten.

Es war gegen 23.10 Uhr, als der 27-Jährige mit seinem ein Jahr älteren Begleiter in der Wrangelstraße unterwegs war. Da kam das Quartett – 29, 32, 35 und 36 Jahre alt – aus einem Mehrfamilienhaus. Der Mann beledigte die Vier wegen ihrer Homosexualität, so die Polizei. Außerdem soll er dem 32-Jährigen Tee ins Gesicht geschüttet haben.

Die Gruppe wehrte sich gegen den schwulenfeindlichen Angriff

Doch die vier Männer reagierten auf den Angreifer anders als es dieser wahrscheinlich erwartet hatte: Einer von ihnen soll die beiden Männer beschimpft und ein Fahrrad in Richtung des Angreifers geworfen haben. Auch soll er dann dem 27-Jährigen ins Gesicht geschlagen haben.

Dass sich eine Gruppe schwuler Männer gegen Beleidigungen und Bedrohungen wehrt, war für den perplexen 27-Jährigen wohl zu viel. Als die Polizei kam, erstatteten der Mann und sein Begleiter während der Sachverhaltsaufnehme Anzeige gegen die Gruppe.  Die Polizei erfasste die Personalien und entließ anschließend alle Beteiligten. Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin hat die Ermittlungen übernommen. Ob einer der Beteiligten verletzt wurde, teilte die Polizei nicht mit.

Zahl der Übergriffe auf sexuelle Minderheiten in Berlin ist gestiegen

Die Zahl der Fälle von Gewalt gegen sexuelle Minderheiten in Berlin ist im Jahr 2018 gestiegen. Das dürfte aber nicht nur an einem Anstieg der Übergriffe liegen – sondern auch daran, dass sie immer öfter gemeldet werden. Die Berliner Polizei zählte im letzten Jahr 225 Straftaten gegen sexuelle Minderheiten, das sind 54 mehr als im Jahr zuvor. Davon konnten 47 Prozent aufgeklärt werden – ein Anstieg zu 2017, wo die Aufklärungsrate bei 42 Prozent lag.

Die meisten Übergriffe gibt es dem Anti-Gewalt-Projekt Maneo zufolge übrigens in Stadtteil Schöneberg, wo sich auch der Regenbogenkiez befindet. Dort sanken die gemeldeten Angriffe von 69 auf 49 um mehr als ein Viertel. In Neukölln hat sich die Zahl der Maneo gemeldeten Vorfälle allerdings verdoppelt. Die drittmeisten gemeldeten Übergriffe gab es in Mitte, auf dem vierten Platz folgt Kreuzberg.

Wer Opfer von Hasskriminalität wird, kann auf der Internetwache der Polizei Berlin online eine Anzeige aufgeben. Außerdem gibt es bei der Berliner Polizei zwei Ansprechpersonen für LSBTI. Sie sind unter der Telefonnummer +49/(0)30 /4664 979 444 erreichbar. Beim schwulen Anti-Gewalt-Projekt Maneo können LGBTI-feindliche Straftaten aus Berlin über die Webseite oder das Überfalltelefon unter der Nummer +49/(0)30 /216 33 36 (täglich von 17 bis 19 Uhr) gemeldet werden.