„Queen of Drags“ verliert in Österreich jeden dritten Zuschauer

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Queen of Drags
ProSieben

So wichtig die Präsenz queerer Menschen im deutschsprachigen Fernsehen ist: So, wie ProSieben zurzeit Drag-Queens präsentiert, interessiert immer weniger Menschen. In Deutschland fiel „Queen of Drags“ erstmals unter die Millionenmarke, in Österreich verliert die Show sogar jeden dritten Seher. Zusätzlich musste noch die bekannteste Kandidatin die Drag-Villa verlassen.

Dieses Mal sprachen die Kandidaten offen über den Hass, der ihnen – und vielen anderen queeren Menschen – entgegenkommt

Dabei beleuchtete die Sendung diesmal einen wichtigen Aspekt: Die Kandidaten erzählten von der Homophobie und dem Hass, dem sie ausgesetzt waren. „Wir können anderen Mut machen! Ich gehe hierhin, nicht nur für mich, sondern für eine komplette Community und um Licht auf Themen zu legen, die zu wenig Gehör finden“, erklärte beispielsweise Vava Vilde.

„Wo ich wohne, könnte ich nie Händchen haltend mit einem Mann durch die Stadt gehen“, sagte Aria Addams. Und Kathy Bähm, bürgerlich Burak Bildik, erzählte, dass er nach seinem Coming-Out wenig Kontakt zu seiner Familie hat, obwohl sie unter einem Dach lebten.

Kathy Bähm
Kathy Bähm/Instagram

„Er ignoriert mich“, so der junge Berliner mit türkischen Wurzeln über seinen Vater – an den er sich dann direkt wandte: „Papa, ich habe dich trotzdem lieb, auch wenn du mich nicht lieb hast. Ich möchte mich bei meiner Schwester entschuldigen, die gemobbt wird wegen ihres schwulen Bruders. Und an alle Kinder da draußen, die nicht geliebt werden: Ihr seid nicht allein! Wir wollen alle nur akzeptiert werden.“ Zum Schluss musste er trotzdem die Show verlassen.

„Dass wir diesen Dialog starten, ist bahnbrechend“, sagt Conchita – doch es interessiert immer weniger Menschen

„Dass wir diesen Dialog starten in einer Fernsehshow, ist bahnbrechend“, ist Conchita Wurst nach dieser Runde überzeugt. Einzig: Es interessiert immer weniger Menschen. Seit dem recht ordentlichen Start Mitte November geht es Woche für Woche ein Stückchen abwärts. Von den 1,5 Millionen Zuschauern, die zum Auftakt eingeschaltet hatten, waren diesmal nur noch 960.000 übrig.

Damit landete ProSieben mit „Queen of Drags“ in Deutschland sogar knapp hinter RTLzwei, das allerdings nur eine Folge von „Hartes Deutschland“ wiederholte. In harten Zahlen heißt das: Der Marktanteil beim Gesamtpublikum ging von 5,3 auf nun 3,4 Prozent zurück – das liegt knapp unter dem 12-Monats-Senderschnitt von 4,4 Prozent.

Auch in der Zielgruppe rasselt „Queen of Drags“ weiter nach unten. Hier reichte es nur noch für 8,3 Prozent Marktanteil, womit die Sendung inzwischen ebenfalls klar unter dem Senderschnitt von 9,8  Prozent liegt.

In Österreich verliert „Queen of Drags“ diese Woche sogar jeden dritten Zuseher

Noch schlimmer ist der Einbruch in Österreich: Hier hat „Queen of Drags“ letzte Woche noch 111.000 Zuseher ab 12 Jahren erreicht – gestern waren es den Daten der Arbeitsgemeinschaft Teletest (AGTT) zufolge gerade einmal 75.000, damit hat die Sendung ein Drittel ihrer Seherinnen und Seher verloren.

Damit wird immer mehr klar: ProSieben hat die einmalige Chance, erfolgreich mehr Vielfalt ins deutschsprachige Fernsehen zu bringen, mit Anlauf versemmelt. Wie es anders geht, zeigen die Mitbewerber: So verlängert die RTL-Gruppe die Abo-Serie „Prince Charming“ um eine zweite Staffel, und der ORF hat angekündigt mit Tamara Mascara erstmals eine Drag Queen bei „Dancing Stars“ mitmachen zu lassen.