Islamisten-Anschlag aus Schwulenhass: Warum schweigt die Politik?

LSVD kritisiert fehlenden gesellschaftlichen Aufschrei

Polizei
Symbolbild - Fotolia

Am 4. Oktober wurden in Dresden zwei Männer von einem islamistischen Attentäter attackiert – einer der beiden Männer überlebte den Anschlag nicht, der andere wurde bei dem Angriff schwer verletzt.

LSVD kritisiert „Gleichgültigkeit von Politik und Gesellschaft“

Die beiden Männer waren offenbar ein Paar, und Schwulenhass gilt bisherigen Informationen zufolge als mögliches Motiv für die Tat. Doch darüber gibt es keinen gesellschaftlichen Aufschrei, kritisiert jetzt der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Berlin-Brandenburg.

„Die Gleichgültigkeit, mit der Politik und Gesellschaft auf dieses grauenhafte Verbrechen reagieren, ist zutiefst verstörend“, so der Verband. Man nehme den öffentlichen Umgang mit dem Terroranschlag in Dresden „mit großer Irritation“ zur Kenntnis. 

Warum schweigt die Politik in Sachsen über Homophobie als mögliches Motiv?

Es sei „vollkommen unverständlich“, dass sowohl die islamistische Einstellung des Verdächtigen als auch Schwulenhass als mögliches Motiv über Wochen verschwiegen worden waren, so der LSVD. Erst durch journalistische Recherchen wurden diese Informationen öffentlich.

„Warum benennen der Ministerpräsident und Innenminister, Polizei und Staatsanwaltschaft in Sachsen nicht klar und deutlich gegenüber den Medien und der Öffentlichkeit den offenbar homophoben Hintergrund dieses Verbrechens?!“, teilt auch Reinhard Naumann, Bezirksbürgermeister in Charlottenburg-Wilmersdorf und ehemaliger Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Schwulen und Lesben in der SPD, auf Facebook die Kritik. 

„Ein Mensch wurde getötet, weil er in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebte“, schreibt auch der sächsische FDP-Landesvorsitzende Frank Müller-Rosentritt auf Facebook: „Vor diesem Hintergrund wäre eine klare Verurteilung dieser extremistischen Straftat, ein klares Bekenntnis zu den Werten unserer freiheitlichen Gesellschaft, auch seitens der Bundesregierung, dringend geboten“ Doch in den meisten politischen Lagern bliebe es „auffallend still“.

Oberstaatsanwalt will Homosexualität der Opfer nicht kommentieren – sind solche Beziehungen anrüchig?

Kritisiert wird auch die „befremdliche Aussage“ des Dresdner Oberstaatsanwalts Jürgen Schmidt, man äußere sich zur sexuellen Orientierung der Opfer nicht. Das lasse den Verdacht aufkommen, dass man „mit Blindheit geschlagen“ sei, wenn es um Homophobie geht. 

Kritik an den Aussagen des Oberstaatsanwalts kommt auch von der Linken: Deren LGBTI-Organisation kritisierte die Schmidts Aussage als „despektierlich gegenüber den Opfern, die in einer Lebenspartnerschaft lebten, weil damit der Eindruck erweckt wird, homosexuelle Beziehungen seien anrüchig“.

„Es geht im Übrigen gar nicht um die sexuelle Orientierung der Opfer, sondern um die Motive des Täters, die vorbehaltlos aufzuklären sind“, fügt der LSVD hinzu.

„Wir werden Terror nicht besiegen, wenn wir ihn bagatellisieren“

Der Verband möchte nun von der Politik und den Verfassungsschützern wissen, wo zu einem derartigen Hass gegen Homosexuelle aufgestachelt werde. Das anhaltende Schweigen von Politik und Gesellschaft werfe „ein bezeichnendes Licht auf den verfehlten Umgang mit religiösem Extremismus“.

„Doch den islamistischen Terror wie auch den rechtsradikalen Terror werden wir nicht überwinden, indem wir ihn beschweigen und bagatellisieren. Wir müssen dem religiösen Extremismus ebenso wie dem Rechtsextremismus entschieden entgegentreten“, so der LSVD Berlin-Brandenburg.