Gay-Party trotz Corona: Teilnehmer fühlen sich verfolgt

Krankenpfleger, der nach Covid-Infektion beatmet werden musste, wollte ebenfalls teilnehmen

Archivbild: Winter Party 2007
Archivbild - Elvert Barnes/Flickr

Für Empörung sorgten Meldungen, dass eine Gruppe schwuler Männer entgegen aller Bestimmungen den Jahreswechsel in Mexiko feierte – unter Nichteinhaltung sämtlicher Abstands- und Benimmregeln. Nun jagen Party-Teilnehmer den Inhaber jenes Instagram-Accounts, der ihr Treiben öffentlich machte. Zur Party angemeldet war übrigens auch ein Krankenpfleger, der sich im März bei einer ähnlichen Party mit Covid-19 angesteckt hatte – und danach die Community um Spenden für seine Behandlungskosten gebeten hat.

500 Dollar Belohnung für Hinweise nach dem Urheber des Shaming-Accounts

Die Bilder auf dem Instagram-Account „GaysOverCOVID“ sind ziemlich eindeutig – sie zeigen Screenshots der Fotos und Videos, die von den Teilnehmern während der Corona-Beschränkungen geschossen wurden, inklusive deren Accounts. Vorübergehend wurde der Original-Account nach zahlreichen Beschwerden der Betroffenen geschlossen – woraufhin einige Nachfolger schnell diese Lücke füllten. Mittlerweile ist auch der Original-Account wieder verfügbar.

Einige der dort Gezeigten wollen nun zurückschlagen: Unter dem Hashtag „GaysOverKarens“ bieten sie 500 Dollar für Hinweise, die zum Betreiber des ominösen Accounts führen: „Lasst sie wissen, dass wir sie holen“, heißt es in einem Posting in der Facebook-Gruppe „CircuitBitch“, das der Journalist Alex Abad-Santos auf Twitter geleakt hat.

„So lange haben sie sich hinter dem Bildschirm versteckt und versucht, andere Schwule zu outen und unsere Gemeinschaft zu spalten wie schon lange nicht mehr“, heißt es in dem Posting: „Zu sehen, wie es ihnen gefällt, jeden unter Druck zu setzen, lasst uns sehen, wie sie sich jetzt fühlen, wenn sie die Zielscheibe sind“, gibt dich die Party-Meute eher dünnhäutig und uneinsichtig.

Auch ein Krankenpfleger, der Corona nur knapp überlebte,

Mike Schultz
Mike Schultz/Instagram

Besonders unangenehm ist die Debatte um die Party in Mexiko für Mike Schultz. Der Krankenpfleger, der unter dem Nick „thebearded_nurse“ auf Instagram unterwegs ist, kam im Mai international in die Schlagzeilen: Er musste nach einer Covid-19-Infektion zwei Monate in stationäre Behandlung und wurde auch mehrere Wochen künstlich beatmet – die Bilder, wie er nach seinem Krankenhausaufenthalt aussah, erschütterten die Community, er selbst gab mehreren Medien bereitwillig Auskunft über sein Leiden. Im Internet wurden mehr als 20.000 Dollar für seine Behandlungskosten gesammelt.

Mit dem Coronavirus infiziert hatte sich Schultz bei der Winter Circuit Party Anfang Mai in Miami – in diesem Cluster staben mindestens drei Männer an den Folgen ihrer Covid-19-Infektion, Schulz überlebte nur knapp. Trotzdem wollte er auch in Mexiko mitfeiern. Auf seinen Accounts schrieb er, dass er sich schon auf die Neujahrsfeier in Puerto Vallarta freue. Im „Gays over Karen“-Forum schrieb er allerdings, dass er letztendlich nicht an der Party teilgenommen hatte.