Mitten im Regenbogenkiez: Schwules Paar nach Kuss mit Waffe bedroht

Die Angreifer konnten unerkannt entkommen

Berlin: Nollendorfplatz
Standardizer/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Mitten im Berliner Regenbogenkiez im Stadtteil Schöneberg ist es am Donnerstagabend zu einem schwulenfeindlich motivierten Überfall gekommen: Weil sie sich geküsst hatten, wurde ein Männer-Paar mit einer Schusswaffe bedroht. Die Angreifer konnten unerkannt entkommen.

Die beiden Männer küssten sich, als eine Gruppe Jugendlicher vorbeikam

Den bisherigen Ermittlungen zufolge verließen ein 40-Jähriger und sein Freund gegen 18.20 Uhr die U-Bahn-Station Nollendorfplatz in Richtung Kleiststraße. Kurz nachdem sie aus dem Bahnhof gekommen waren, haben sich die beiden Männer umarmt und geküsst.

Das hat einer Gruppe Jugendlicher aber offenbar nicht gefallen. Die Burschen, die nach Angaben der Polizei fast zeitgleich die Station verließen, fingen laut an zu grölen, als sie das küssende Paar sahen. Einer der Jugendlichen soll eine Schusswaffe gezogen und damit auf den Kopf des 40-Jährigen gezielt haben. Anschließend soll die Gruppe laut lachend weitergezogen sein. Der 40-Jährige erstattete anschließend Anzeige auf einer Polizeiwache. 

Der Staatsschutz ermittelt

Weitere Angaben zur Identität der Angreifer hat die Berliner Polizei in ihrer Erstmeldung nicht gemacht. Die Ermittlungen führt, wie bei mutmaßlichen Hassverbrechen üblich, der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin. Die Polizei macht solche Delikte in ihren Berichten gezielt öffentlich.

Anfang August wurde bereits im Stadtteil Lichtenberg eine queere Person mit einer Schusswaffe bedroht. Auch in Schöneberg, das als LGBTI-freundlichste Gegend Berlins gilt, gibt es immer wieder Übergriffe auf Angehörige sexueller Minderheiten. Erst Ende September sind zwei Männer in der Akazienstraße wüst schwulenfeindlich beschimpft worden. 

Letztes Jahr zählte das schwule Anti-Gewalt-Projekt Maneo in ganz Berlin 510 Fälle queerfeindlicher Gewalt. Die Fallzahlen liegen damit trotz der Pandemie auf hohem Niveau. Die meisten registrierten Vorfälle richteten sich dabei gegen schwule und bisexuelle Männer.