Grindr ändert Datenschutz-Einstellungen im Olympischen Dorf

Etwas mehr Sicherheit für (ungeoutete) Athleten vor neugierigen Blicken

Grindr
Symbolbild - Montage: GGG.at

Die beliebte schwule Dating-App Grindr hat ihre Privatsphäre-Einstellung für eine ganz bestimmte Gruppe von Nutzern adaptiert: Wer die App im Olympischen Dorf in Peking nutzt, kann andere User im Olympischen Dorf sehen, doch außerhalb sind diese Profile nicht sichtbar.

Das „Explore“-Feature funktioniert nicht im Olympischen Dorf

Das „Explore“-Feature, mit dem man User in einem bestimmten Gebiet finden kann, wurde für das Olympische Dorf gesperrt. Damit möchte Grindr „die Top-Athleten de Welt vor Verfolgung oder Belästigung schützen“, wie der Wirtschafts-Nachrichtendienst Bloomberg  schreibt. Geoutet sind bei den aktuellen Olympischen Spielen nur knapp über 35 Athlet:innen.

So bekommen Grindr User in der Olympischen Bubble (oder in deren unmittelbarer Nähe) ein Pop-Up in der App, auf dem steht: „Deine Privatsphäre ist uns wichtig. Unser ‚Explore‘-Feature wurde im Olympischen Dorf deaktiviert, damit Menschen außerhalb deiner unmittelbaren Umgebung nicht hierher browsen können. Lasst die Spiele beginnen.“

Das „Nearby“-Feature, das User nach ihrer unmittelbaren Entfernung sortiert, sowie der „Fresh“-Tab für neue Profile funktionieren weiter. Es sei das erste Mal in der Geschichte vor Grindr, dass die Firma das „Explore“-Feature bei Olympischen Spielen deaktiviert hat. Bis jetzt hat die Funktion nur in Ländern oder Regionen nicht funktioniert, in denen Homosexualität illegal oder gefährlich ist.

Mehr Sicherheit für Olympia-Sportler auf der Suche nach einem Date

„Wir wollen, dass Grindr ein Ort ist, an dem alle queeren Athleten, unabhängig woher sie kommen, sich sicher fühlen, wenn sie sich mit anderen vernetzen, während sie im Olympischen Dorf sind“, erklärt Jack Harrison-Quintan, Leiter des „Grindr for Equality“-Programms. Das Bekenntnis zum Datenschutz erstaunt ein wenig – wurde die Firma doch von der norwegischen Datenschutzbehörde zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, weil sie mit ihren Userdaten zu freimütig umgeht.

Mit den strengeren Einstellungen reagiert Grindr allerdings auch auf den – mittlerweile offline gegangenen – Artikel eines Journalisten, der sich 2016 bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro in der Nähe des Olympischen Dorfs eingeloggt hat, um dann mit einem Fake-Profil herauszufinden, wie viele schwule oder bisexuelle Athleten zwischen den Wettbewerben nach einem Date suchen.

Für Grindr sind die Privatsphären-Einstellungen für das Olympische Dort wohl auch eine kleine Rache an der chinesischen Regierung: Diese hatte die Dating-App ohne Begründung vor den Spielen aus den verschiedenen App-Stores geworfen. Die größte Gay-Dating-App des Landes, Blued, hat diese Säuberungsmaßnahme nicht betroffen.