Österreichischer Filmpreis: Acht Auszeichnungen für „Große Freiheit“

Doch das große Thema des Abends war ein anderes

Große Freiheit
Freibeuter Film

Wie erwartet ist das Drama „Große Freiheit“ der große Gewinner des Österreichischen Filmpreises, der gestern Abend in Grafenegg verliehen wurde. Doch das bestimmende Thema der Veranstaltung war ein anderes: Die Missbrauchsvorwürfe in der österreichischen Filmbranche.

Bester Spielfilm, bester Regisseur, bester Hauptdarsteller

Sebastians Meises Drama um eine schwule Liebe im Gefängnis, zu einer Zeit als Homosexualität illegal war, erhielt insgesamt acht Auszeichnungen bei zehn Nominierungen. Unter anderem wurde „Große Freiheit“ als bester Spielfilm ausgezeichnet, Meise als bester Regisseur. Auch Georg Friedrich wurde als Hauptdarsteller ausgezeichnet, war aber nicht persönlich anwesend. Der Film wurde vom ORF mitfinanziert.

In „Große Freiheit“, das unter anderem der österreichische Beitrag für den Auslands-Oscar war und in Cannes mit dem Regie-Preis ausgezeichnet wurde, geht es um Hans, gespielt von Franz Rogowski. Er wird zunächst von den Nationalsozialisten und auch die folgenden Jahrzehnte regelmäßig wegen seiner Homosexualität verurteilt wird. Im Gefängnis trifft er auf Viktor, gespielt von Georg Friedrich, der ihn anfangs verachtet. Dann aber nähern sich die Männer an und es entsteht eine enge Bindung.

Kein Preis für „Moneyboys“

„Fuchs im Bau“, der zweite Favorit, wurde mit vier Preisen gewürdigt. Unter anderem erhielt Maria Hofstätter für ihre Rolle als resolute, aber beherzte Lehrerin den der besten Hauptdarstellerin. Bester Dokumentarfilm wurde „Aufzeichnungen aus der Unterwelt“ über die Wiener Bandenkriminalität der 1960er Jahre. Als publikumsstärkster Film wurde der Manfred-Deix-Animationsfilm „Rotzbua – Willkommen in Siegheilkirchen“ ausgezeichnet.

Keinen Preis gab es für das schwule Drama „Moneyboys“. Der Film war fünfmal für den Österreichischen Filmpreis nominiert. Der Film wurde Anfang des Jahres bereits mit dem Max Ophüls Preis ausgezeichnet. Er handelt von einem Burschen, der als Escort in der Großstadt arbeitet, um seine Familie am Land zu ernähren. Diese akzeptiert zwar sein Geld, nicht aber seine Homosexualität.

Thema des Abends war der Umgang der Branche mit Missbrauchs-Vorwürfen

Doch bestimmend waren an diesem Abend nicht die Auszeichnungen. Denn die #MeToo-Bewegung hat nun auch den österreichischen Film erreicht. Bereits vor dem großen Fest in Grafenegg wurde in der Branche immer lauter über sexuelle Übergriffe geredet, versuchte Vergewaltigungen und schwarze Listen für Frauen, die sich gewehrt hatten. 

„Unsere Arbeit im künstlerischen Betrieb bringt besonders häufig Situationen mit sich, die Machtmissbrauch begünstigen“, bestätigte auch die Schauspielerin Verena Altenberger in ihrer Eröffnungsrede. Sie hat gemeinsam mit Regisseur Arash T. Riahi die Präsidentschaft der Akademie des Österreichischen Filmes inne. 

„Sexualisierter Machtmissbrauch ist ein Problem unserer Branche“

Und auch ihr Co-Präsident betonte, dass der Arbeitsplatz Film und dessen Ausbildungsstätten für alle angstfrei werden müssen: „Sexualisierter Machtmissbrauch ist ein Problem unserer Branche. Sexualisierter Machtmissbrauch ist ein Problem unserer Gesellschaft.“

Wie düster die Situation wirklich ist, zeigte Luna Jordan, die den Preis als beste Nebendarstellerin in Riahis Film „Fuchs im Bau“ bekommen hatte. Sie sei gerade erst 20 Jahre alt und bereits vier Mal das Opfer von sexuellem Missbrauch geworden, sagte sie bei der Überreichung des Preises mit zitternder Stimme; das letzte Mal erst vor wenigen Wochen: „Das darf so nicht bleiben: Wir müssen gemeinsam das Schweigen brechen.“