WHO empfiehlt Schwulen weniger Sex: Community empört

"Die WHO hat aus der AIDS-Krise offenbar wenig gelernt"

WHO-Zentrale
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Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO scheint kein Rezept zu haben, wie man dem aktuellen Ausbruch der Affenpocken außerhalb Afrikas Herr werden könnte. Da vor allem Männer betroffen sind, die Sex mit verschiedenen anderen Männern haben, empfiehlt ihnen die WHO Enthaltsamkeit – was zu Entrüstung innerhalb der LGBTI-Community führt.

WHO empfiehlt schwulen und bisexuellen Männern weniger Sexualpartner

So hat WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus letzte Woche Risikogruppen empfohlen, Schutzmaßnahmen zu ergreifen: „Das bedeutet, sichere Entscheidungen für sich selbst und andere zu treffen, für Männer, die Sex mit Männern haben. Das schließt, für den Moment, die Reduzierung der Zahl der Sexpartner ein.“

Ähnlich äußerte sich Hans Henri P. Kluge, Regionaldirektor der WHO für Europa: „Erwägen Sie, im Moment Ihre Sexualpartner und Interaktionen einzuschränken“, war sein Ratschlag an promiskur lebende schwule und bisexuelle Männer: „Dies mag eine harte Botschaft sein, aber Vorsicht kann Sie und Ihre breitere Community schützen.“

HOSI Wien: Warum gilt Warnung nicht für alle Menschen, mit mehr Sexpartnern?

Eine Botschaft, die Ann-Sophie Otte, Obfrau der HOSI Wien, so nicht stehen lassen kann: „Für die Übertragung von Affenpocken ist es völlig egal, welches Geschlecht der*die Sexualpartner*in hat. Die Warnung der WHO müsste daher an alle Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartner*innen gelten“, macht sie klar.

Außerdem sei kein sexueller Kontakt zur Übertragung notwendig, sondern es reiche bereits enger Körperkontakt, so Otte weiter. Auch, wenn man Sexarbeit in Anspruch nehme, gebe es ein erhöhtes Risiko. „Dieser Fokus auf schwule und bisexuelle Männer stigmatisiert diese und führt dazu, dass andere sich in falscher Sicherheit wiegen. Die WHO hat aus der AIDS-Krise offenbar wenig gelernt“, ärgert sich die HOSI-Wien-Obfrau.

„Gespenst der HIV-Stigmatisierung wiederholt sich“

„Das Gespenst des HIV-Stigmas wiederholt sich und rückt die LGBTI+-Bevölkerung wieder in den Mittelpunkt, als wären wir die Vorläufer der Ausbreitung einer Kontaktkrankheit“, kritisiert auch Nahum Cabrera, HIV-Koordinator beim spanischen LGBTI-Verband FELGTBI+, die Aussagen der WHO.

Dass es wichtig sei, die Stigmatisierung bestimmter Gruppen zu verhindern, weiß man auch bei der EU-Kommission. So forderte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides letzte Woche wirkungsvolle Maßnahmen, wie etwa Contact Tracing, Quarantäne und öffentliche Information – aber ohne Panik zu schüren und betroffene Gruppen zu stigmatisieren, so die Zypriotin.