Samstag, 25. Mai 2024
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Ungarische Bischöfe wollen schwule und lesbische Paare nicht segnen

Auch in Ungarn lehnen die römisch-katholischen Bischöfe die Möglichkeit ab, gleichgeschlechtlicher Paare zu segnen. Die Richtlinie des Vatikans werde „angesichts der pastoralen Situation“ in unserem Nachbarland nicht umgesetzt, heißt es von der Bischofskonferenz.

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Es könnten zwar alle Menschen „individuell, unabhängig von ihrer Geschlechtsidentität und sexuellen Orientierung“ gesegnet werden, allerdings müsse ein gemeinsamer Segen „bei Paaren, die in einer nichtehelichen Gemeinschaft, in einer kirchlich nicht gültigen Ehe oder in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben, immer vermieden werden“, so die ungarische Bischofskonferenz in einer knappen Mitteilung.

„Liebe und Respekt“ statt Segnung einer Beziehung

Die Bischöfe stellten in der aus fünf Sätzen bestehenden Erklärung klar, dass sich die Überzeugung und die bestätigte Lehre der römisch-katholischen Kirche über Ehe durch die vatikanische Erklärung nicht geändert hätten. Die „Botschaft an die Seelsorger und Gläubigen“ wurde kurz nach Weihnachten in mehreren Sprachen veröffentlicht.

Stattdessen gibt es das geheuchelte Mitleid, das queere Menschen in den letzten Jahren so oft von Vertretern der römisch-katholischen Kirche gehört haben. Man wolle „Schwestern und Brüdern in besonderen Lebenssituationen mit Liebe und Respekt“ begleiten und ihnen helfen, „ein tieferes Verständnis von Gottes Willen auf ihrem Weg des Evangeliums Christi zu erlangen“.

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Ungarns Kirche folgt der Erklärung des Vatikans nicht

Kurz vor Weihnachten hatte das vatikanische Glaubensdikasterium in der Erklärung „Fiducia supplicans“ klargestellt, dass römisch-katholische Geistliche auch schwule und lesbische Paare segnen dürfen. Allerdings muss die Zeremonie außerhalb eines Gottesdienstes stattfinden und darf nicht mit einer Eheschließung verwechselt werden können. 

Das Dokument wurde in Rücksprache mit Papst Franziskus veröffentlicht – und begründet sich auch auf ihn: Die Kirche habe zuletzt ihr Verständnis von dem, was ein Segen ist, im Licht der seelsorgerischen Ideale von Papst Franziskus „erweitert und angereichert“, so Kardinal Victor Fernandez, der Präfekt der Glaubensbehörde. Diese hatte im Februar 2021 die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare noch explizit ausgeschlossen.

Auch Widerstand aus Afrika

Damit stellen sich die ungarische Bischöfe auf eine Seite mit anderen konservativen Ländern, etwa in Afrika: So hat etwa die Bischofskonferenz von Nigeria klargestellt, in ihrem Land gebe es „keine Möglichkeit, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften oder Betätigungen zu segnen“. Dies würde „gegen Gottes Gesetz, die Gesetze unseres Landes, die Lehren der Kirche und das kulturelle Empfinden unseres Volkes gehen“.

Anders ist die Situation auf der anderen Seite der Grenze: Der burgenländische Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics kündigte nach Bekanntgabe des Dokuments an, selbst gleichgeschlechtliche Paare segnen zu wollen. Auch der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, der auch Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz ist, hat die Bekanntgabe des Glaubensdikasteriums „mit Freude aufgenommen“.