Samstag, 20. Juli 2024
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London: Konservativer Abgeordneter mit Grindr-Fotos erpresst

Ein mehr als peinlicher Skandal erschüttert derzeit London: Ein prominenter konservativer Abgeordneter wurde mit eindeutigen Bildern erpresst, die er auf Grindr geteilt hatte.

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Ein Erpressungs-Skandal um Sexting-Nachrichten ist derzeit Gesprächsthema im Londoner Regierungsviertel Westminster. Der konservative Abgeordsnete William Wragg, Vizevorsitzender eines wichtigen Fraktionskomitees, bestätigte der Times , dass er erpresst worden war.

Aus einem Chat auf Grinde wurde plötzlich Erpressung

Als Sexting wird der private Austausch selbst produzierter intimer Fotos oder Videos über das Internet bezeichnet. Und das hat der 36 Jahre alte Politiker auf der schwulen Dating-Plattform Grindr mit einem Unbekannten getan. Mit diesen Fotos wurde er anschließend erpresst. Er leitete den unbekannten Erpressern persönliche Telefonnummern von Kollegen weiter.

Gegenüber der Times sagte Wragg, es tue ihm leid, dass er durch sein Verhalten „Schmerz“ verursacht habe. Er habe „Angst“ gehabt, weil die Erpresser „komprommitierende Dinge über mich“ wussten.

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Wragg soll nicht das einzige Opfer der Erpresser gewesen sein

Der Times zufolge soll außer Wragg noch ein weiterer Parlamentarier mit eigenen Fotos auf Nachrichten reagiert haben. Und wie das Portal Politico berichtet, seien im Londoner Regierungsviertel Westminster bis zu zwölf Männer mit persönlichen Nachrichten und sexuell expliziten Bildern angeschrieben worden.

Dazu sollen ein Minister, Berater und politische Journalisten gehören. Einigen von ihnen sollen Nacktfotos geschickt worden sein. Zwei Abgeordnete sollen darauf mit Bildern von sich reagiert haben. Wie ein ehemaliger Abgeordneter der BBC  berichtet, sei er von einem „Charlie“ angeschrieben worden, der von sich behauptete, in Wraggs Büro gearbeitet zu gaben.

Steckt ein ausländischer Geheimdienst hinter den Erpressungen?

Offensichtlich handelte es sich um Versuche, diese Personen zu kompromittierten, schreibt Politico. Bereits vor Jahren haben US-Sicherheitsbehörden politisch exponierte Personen davor gewarnt, Grindr zu benutzen, da der damalige Besitzer die Daten an chinesische Geheimdienste weiterleiten könnte.

Auch jetzt vermutet Alicia Kearns, Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Parlament, einen ausländischen Geheimdienst als Drahtzieher hinter den Erpressungen. Die Polizei hat bestätigt, Ermittlungen eingeleitet zu haben.

Schatzkanzler nennt Berichte „sehr besorgniserregend“

Für die Regierung sagte Schatzkanzler Jeremy Hunt Reporter:innen, die Berichte seien „sehr besorgniserregend“. Wragg selbst lobte er. Er habe sich „mutig und ausführlich entschulfigt“.

Trotzdem gibt es innerhalb der konservativen Partei erste Forderungen, Wragg solle zurücktreten oder aus der Fraktion ausgeschlossen werden. Er selbst hatte schon vor längerer Zeit angekündigt, bei der für dieses Jahr geplanten Parlamentswahl nicht mehr anzutreten.