Volksgarten: Rauswurf eines schwulen Pärchens beschäftigt Politik

„Wir müssen aufhören, homo- & transphobe Gewalt als bedauerliche Einzelfälle zu betrachten“, sagt SoHo-Vorsitzender Mario Lindner

Mario Lindner
Parlamentsdirektion/Bildagentur Zolles/ Christian Hofer

Der Fall jenes schwulen Pärchens, das wegen eines Kusses aus einer Wiener Innenstadt-Disco geworfen worden sein soll, bewegt nun auch die österreichische Innenpolitik.

Das Paar, 19 und 20 Jahre alt, wollte nach der Regenbogenparade noch in der Säulenhalle, die zur Disco Volksgarten gehört, feiern. Als sie sich auf der Tanzfläche küssten, wurden sie von Securities ermahnt und schließlich aus dem Lokal geworfen. Vor dem Lokal sei dann einer der beiden Burschen von Unbekannten verprügelt worden, erzählte er der Tageszeitung „Österreich“.

„Es braucht klare politische Antworten“, sagt SoHo-Vorsitzender Mario Lindner

„Wenn zwei junge Männer genau am Tag der Regenbogenparade, nur wenige hundert Meter von der Abschlusskundgebung entfernt, wegen ihrer sexuellen Orientierung so etwas erleben müssen, dann braucht es klare politische Antworten!“, ärgert sich Mario Lindner, offen schwuler Bundesrat und Vorsitzender der sozialdemokratischen LGBT-Organisation SoHo.

„Wir müssen aufhören, homo- & transphobe Gewalt als bedauerliche Einzelfälle zu betrachten“, so Lindner. Man dürfe „nicht wegschauen, wenn Gewalt, Homophobie, Sexismus und Rassismus zum Beispiel im Internet und den sozialen Medien neuen Aufwind erleben“. Er forderte eine Stärkung der LGBT-Anlaufstellen im ganzen Land.

Lindner engagiert sich selbst sehr intensiv gegen homo- und transphobe Gewalt: So setzte er im Dezember 2016 ein Zeichen, indem er auf Facebook ein Foto postete, auf dem er einen Mann küsst. Damit protestierte er gegen einen Vorfall in seinem Bekanntenkreis – ein schwules Paar wurde mitten in der Wiener Innenstadt auf offener Straße verprügelt, weil es sich geküsst hatte. In Österreich werden Gewalttaten gegen sexuelle Minderheiten nicht statistisch erfasst.

Betroffene Securities wurden gefeuert – Mitarbeiter wurden in „ethischem Verhalten“ geschult

Mittlerweile gibt es Reaktionen auf den Vorfall in der Säulenhalle: Der Volksgarten hat die Aktion der Securities als „klare Fehlentscheidung“ bezeichnet. Das Lokal und die Sicherheitsfirma „Ante Portas“ stünden für eine „absolute Null-Toleranz-Politik bei jeglicher Art von Diskriminierung“. Homophobie würde weder bei Gästen noch bei Mitarbeitern geduldet werden.

Auch die Security-Firma hat sich mittlerweile auf Facebook zu Wort gemeldet. Ante Portas mache „seit unserem ersten Tag alles menschenmögliche“, um „gegen Gewalt und Diskriminierung im Wiener Nachtleben vorzugehen“. Die Mitarbeiter würden geschult und eingewiesen werden, „wie sie sich ethisch zu verhalten haben, um unseren Ansprüchen von menschlicher Sicherheitsarbeit gerecht zu werden“.

Zu dem Vorfall in der Säulenhalle heißt es, dass sich „zwei unserer Mitarbeiter leider anders verhalten haben als von uns erwünscht“ – die Mitarbeiter wurden bereits fristlos entlassen. „Niemals wird von Ante Portas akzeptiert werden, wenn Menschen diskriminiert werden. Unsere MitarbeiterInnen sind dazu da, Gewalt zu verhindern, dafür stehen wir! Und so werden wir auch mit dieser Sache umgehen und Konsequenzen setzen!“, heißt es seitens der Security-Firma weiter.

Bereits im Jahr 2012 gab es in der „Säulenhalle“ einen ähnlichen Zwischenfall: Weil ein Gast bei einem schwulen Clubbing kein T-Shirt trug, wurde er von einem Security ermahnt – und dann so angerempelt, dass er auf den Boden fiel. Anschließend wurde er aus dem Lokal geschmissen und beschimpft. Der Betroffene erlitt unter anderem eine Bänderzerrung im rechten Bein und war vorübergehend arbeitsunfähig. Die Verantwortlichen wurden vor Gericht schuldig gesprochen und zu einer Entschädigungszahlung verurteilt.