‚Blutspende-Fragebogen muss geändert werden‘

Ein generelles Blutspendeverbot für schwule Männer könnte eine unzulässige „indirekte Diskriminierung“ sein und Europarecht widersprechen. Dieser Ansicht ist zumindest der Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof (EuGH), Paolo Mengozzi. Nachdem der Gerichtshof in den meisten Fällen den Empfehlungen des Generalanwalts folgt, gibt es nun auch in Österreich eine Debatte, welche Regeln beim Blutspenden künftig gelten sollen.

Frage 30 „muss geändert werden“

Den Beginn macht Daniela Grabovac, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Steiermark. Gegenüber dem ORF Steiermark sagt sie: „Unsere Forderung ist, dass die Fragestellung im Blutspendefragebogen vom Roten Kreuz geändert wird, das ist die Frage 30. Da heißt es: ‚Hatten Sie als Mann Sex mit einem anderen Mann?‘“. Wer diese Frage mit Ja beantwortet, wird lebenslang von der Blutspende ausgeschlossen.

Wie auch EuGH-Generalanwalt Mengozzi ist auch Grabovac der Meinung, dass nicht die sexuelle Orientierung entscheidend ist, sondern das sexuelle Verhalten. Es gebe einen Unterschied, ob man in einer homosexuellen Beziehung lebe oder ungeschützten Geschlechtsverkehr habe, egal welcher sexuellen Orientierung man angehöre, so Grabovac.

Rotes Kreuz begrüßt das Urteil

Für Kurt Hudabuinigg, ärztlicher Leiter des Blutspendedienstes des Roten Kreuzes in der Steiermark, könnte eine solche Änderung aber noch dauern. Zwar begrüße das Internationale Rote Kreuz das Urteil, da so „auf lange Sicht diese vom EuGH dargestellte Diskriminierung verschwinden“ könne. Kurzfristig kann dies aber dauern, vermutet Hudabuinigg: Keine Organisation wolle den ersten Schritt machen.

Dass die Blutspende deshalb unsicherer wird, glaubt man beim Roten Kreuz in der Steiermark nicht. Ein Restrisiko gebe es bei jeder spende, aber: „Die Sicherheit haben wir, die Antidiskriminierung müssen wir entwickeln“, so der Leiter des Blutspendedienstes.

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