Marokko: Zwei Mädchen verhaftet, weil sie sich geküsst hatten

Eines der beiden Mädchen soll in der Haft von anderen Gefangenen misshandelt worden sein

Symbolbild: Mädchen beim Händchenhalten
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In Marokko sind zwei minderjährige Mädchen verhaftet worden, weil sie sich auf einem Hausdach umarmt und geküsst haben sollen. Das berichtet die marokkanische Menschenrechtsorganisation „Association marocaine des droits humains“ (AMDH).

Beim Küssen beobachtet, dann verhaftet

Der Vorfall ereignete sich offenbar letzte Woche in der Metropole Marrakesch. Ein Unbekannter hat offenbar die Liebensbeweise fotografiert und die 16 und 17 Jahre alten Mädchen angezeigt. Daraufhin wurden sie von der Polizei festgenommen und angezeigt. Auf homosexuelle Handlungen stehen in Marokko bis zu drei Jahre Haft.

Wie Omar Arbib von AMDH gegenüber dem arabischen Programm des Nachrichtensenders CNN berichtete, dürfte die 17-Jährige von erwachsenen Mitgefangenen misshandelt worden sein. Das habe ihm ihre Mutter berichtet. Eine offizielle Bestätigung der tunesischen Behörden dazu gibt es nicht.

Mittlerweile sollen die beiden Mädchen nach Informationen von AMDH wieder auf freien Fuß gesetzt worden sein. Die Organisation hat den Mädchen auch einen Anwalt gestellt. Sie warten nun auf ihren Prozess.

Lesben und Schwule werden in Marokko immer wieder misshandelt und verurteilt

Aus Marokko werden immer wieder Misshandlungen von Homosexuellen gemeldet. So wurden im März beispielsweise schwule Männer von einem bewaffneten Mob nackt aus ihrer Wohnung gezerrt und misshandelt worden. Vor Gericht landeten die Opfer: Einer der Männer wurde wegen „Akten sexueller Ausschweifungen mit einer Person gleichen Geschlechts“ und öffentlicher Trunkenheit zunächst zu vier Monaten Haft verurteilt. Nach einer Berufung wurde er Anfang der Woche freigelassen. Auch das andere Opfer wurde wegen „sexueller Ausschweifungen“ zu einer viermonatigen Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt.

Nur wenige Wochen zuvor waren zwei schwule Männer im Süden Marokkos zu 18 Monaten Haft und einer Geldstrafe verurteilt worden. Im Prozess hat einer den Vorwurf, homosexuell zu sein, zurückgewiesen. Der andere legte ein „Geständnis“ ab. Im Jahr 2014 sorgte die Verhaftung eines schwulen Engländers für diplomatische Verstimmungen zwischen Marokko und dem Vereinigten Königreich. Letztes Jahr landete ein kanadischer Tourist nach schwulem Sex in einem marokkanischen Gefängnis.

Homosexuelle Marokkaner haben deshalb Recht auf Asyl

Aufgrund dieser und einiger weiterer Vorfälle haben deutsche Gerichte entschieden, dass schwule und lesbische Flüchtlinge aus Marokko prinzipiell Recht auf Asyl haben. Ein Richter am Verwaltungsgericht Düsseldorf stellte fest, dass einem 27-jährigen Marokkaner „mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit“ eine strafrechtliche Verfolgung in seiner Heimat drohe. Das sei als „unverhältnismäßige und diskriminierende Bestrafung zu betrachten und stellt damit eine relevante Verfolgungshandlung dar“.

Für die deutsche Bundesregierung war dieses Urteil sehr unangenehm. Denn sie möchte Marokko gerne in die Liste der „sicheren Herkunftsstaaten“ aufnehmen. Bürger aus diesen Ländern können leichter abgeschoben werden, weil Deutschland davon ausgeht, dass dort sämtliche relevanten Rechtsstandards eingehalten werden – was von vielen Menschenrechtsexperten bezweifelt wird.