Schweiz öffnet Blutspende für schwule und bisexuelle Männer

Ab morgen gelten neue Regeln: Zwölf Monate Enthaltsamkeit statt Totalverbot

Blutkonserven
Symbolbild - Rotes Kreuz

In der Schweiz können ab morgen schwule und bisexuelle Männer Blut spenden – wenn sie die zwölf Monate zuvor enthaltsam waren. Mit 1. Juli tritt eine Regelung in Kraft, die das absolute Blutspendeverbot für schwule und bisexuelle Männer beendet.

Aufsichtsbehörde genehmigte die Neuregelung schon im Jänner

Bereits im Jänner hat die zuständige Aufsichtsbehörde Swissmedic ein entsprechendes Gesuch der Organisation „Blutspende SRK Schweiz“ bewilligt. Mit der zwölfmonatigen Karenzfrist könne das Risiko einer Krankheitsübertragung „weiterhin sehr tief gehalten werden“, so die zum Schweizerischen Roten Kreuz gehörende Organisation.

Swissmedic geht davon aus, dass die Neuerung kein erhöhtes Risiko für die Empfänger von Bluttransfusionen bedeutet. „Blutspende SRK Schweiz“ muss nun unter anderem kontinuierlich die veränderte Risikoabschätzung beobachten sowie das Risiko von Testversagern abschätzen. Außerdem muss die Organisation jährlich einen Beurteilungsbericht zu den Auswirkungen der neuen Spendekriterien einreichen.

Rudolf Schwabe von „Blutspende SRK Schweiz“ ist aber klar: „Wirklich optimal scheint diese Lösung indessen nicht, da vermutlich nicht viele schwule Männer davon profitieren können“: In einem nächsten Schritt müsse das konkrete, persönliche Risikoverhalten ausschlaggebend sein und nicht mehr die sexuelle Neigung.

Auch andere Staaten haben das Totalverbot aufgehoben – Österreich noch nicht

Erlassen wurde das Verbot in den frühen 1980er-Jahren während der „Aids-Krise“. Mittlerweile haben bereits mehrere Staaten diese Regelungen wieder gelockert, zuletzt die Republik Irland. Auch dort gilt eine zwölfmonatige Karenzfrist für schwule Spender. Im Mai hat auch Belgien die Blutspende für schwule und bisexuelle Männer geöffnet.

Auch hier gilt die zwölfmonatige Wartepflicht – aber nicht nur für sie: So dürfen Blutspender künftig zwölf Monate vor der Spende auch keinen Sex gegen Geld oder Sex mit jemandem, der sich Drogen spritzt, gehabt haben. Der zwölfmonatige Ausschluss von der Blutspende gilt auch für Heterosexuelle, die mehrere Sexualpartner hatten.

In Österreich und Deutschland sind Männer, die nach 1977 Sex mit Männern hatten, nach wie vor lebenslang von der Blutspende ausgeschlossen. „Es muss klarerweise Richtlinien geben, aber die sollten sich auf medizinischen Fakten begründen und nicht auf einem Generalverdacht“, ärgert das die Grüne Bundesrätin und LGBTI-Sprecherin Ewa Dziedzic.