Wegen Schwulenhetze vor Gericht: Betreiber von „kreuz-net“ erscheint nicht

Verschiebung um zwei Wochen „für die theologische Abklärung“ hat offenbar nicht gereicht

Ketzer in der Kathedrale von Mechelen
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Der Prozess gegen den Betreiber der rechtskatholischen Seite „kreuz-net.info“ wird immer mehr zur Posse: Wie der ORF Wien berichtet, ist der Angeklagte heute nicht vor dem Wiener Straflandesgericht erschienen. Er muss sich dort wegen Hetze gegen Homosexuelle verantworten. Die Verhandlung musste deshalb vertagt werden.

Syphilis sei „Gottes Strafe“ für „Homo-Unzüchtler“

In dem Beitrag, der im Dezember 2015 auf der Seite erschienen war, war unter anderem davon die Rede, Syphilis sei „Gottes Strafe“ für „Homo-Unzüchtler“. Die Staatsanwaltschaft Wien erhob deswegen Anklage gegen den Betreiber der Seite, Günther S.-A.

Dieser hätte eigentlich schon am 11. Juli vor dem Wiener Straflandesgericht stehen sollen. Nachdem ihm der Strafantrag zugestellt wurde, erklärte der Burschenschaftler allerdings dem Richter, der bis zur Verhandlung zur Verfügung stehende Zeitraum sei „für die theologische Abklärung“ der inkriminierten Begriffe nicht ausreichend.

Darauf bekam er eine zweiwöchige Vorbereitungszeit zugestanden, der Prozess wurde auf den heutigen Tag verschoben – doch offenbar wollte der Heilige Geist auch in den letzten 14 Tagen nicht für die notwendige Erleuchtung sorgen: Günther S.-A. erschien heute nicht vor dem irdischen Gericht.

Webseite sollte wohl kreuz.net beerben, scheiterte aber daran

Der Burschenschaftler, der unter anderem auch die radikale Seite couleurstudent.at verantwortet haben soll, hatte „kreuz-net.info“ im Jahr 2013 gestartet, um in die Fußstapfen des kurz zuvor gestoppten katholisch-extremistischen Portals „kreuz.net“ zu treten, dessen Urheber bis heute nicht gefunden wurden.

Wiederholte antisemitische und homophobe Beiträge hatten bereits kurz nach dem Start der Seite im Jänner 2013 den deutschen Verfassungsschutz und das österreichische Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) auf den Plan gerufen. Die Staatsanwaltschaft Wien nahm schließlich Ermittlungen auf.

Die im Impressum angegebene Redaktionsadresse befindet sich übrigens in der Weihburggasse, nur wenige Meter von der traditionsreichen Herrensauna „Kaiserbründl“ entfernt. Wann der Prozess fortgesetzt wird, ist noch unklar.