Vortrag in Diözese: Fundi-Katholiken machen gegen HOSI-Obfrau mobil

Gabriele Rothuber hält einen Vortrag in der Diözese Graz-Seckau - und reaktionäre Kräfte empören sich

Ankündigung
Diözese Graz-Seckau

Für Schnappatmung unter radikal-konservativen katholischen Aktivisten dürfte derzeit eine Veranstaltung der Diözese Graz-Seckau sorgen. Unter dem Titel „Sexualitäten 2020 – Faktencheck“ sollen kirchliche Experten über den neuesten Stand der Sexualwissenschaft aufgeklärt werden. Konservative Webseiten sehen darin „Gay-Propaganda“ – vor allem, weil auch jemand eingeladen wurde, der ihnen in den letzten Monaten gehörig die Suppe versalzt hat.

Für die Diözese ist Sexualität „wichtig. Und manchmal kompliziert“ – für die Kritiker der Veranstaltung offenbar nicht

„Sexualität ist wichtig. Und manchmal kompliziert“, überschreibt die Diözese auf ihrer Homepage die Veranstaltungsankündigung. Der Pressesprecher der Diözese beschreibt die Veranstaltung auf Anfrage als Information „auf akademischem Niveau“, wie „heute aus wissenschaftlicher Perspektive in der Praxis mit dem Thema Sexualitäten gearbeitet wird“. Sie diene „nicht der „kirchenpolitischen Diskussion, sondern, wie der Titel sagt, dem Faktencheck und der Abklärung der Situation“.

Doch das sehen konservative Kirchenkreise anders. So stört sich die Webseite kath.net unter anderem an dem Sujet für die Veranstaltung – ein Bild, „das zwei aneinandergelehnte nackte männliche Oberkörper zeigt“: „Dass es auch um Gay-Propaganda geht, wurde von einem Sprecher des Bistums vor einigen Tagen gegenüber kath.net abgestritten“, schreibt das konservative Online-Medium dazu.

Konservative befürchten, bei der Fachtagung gehe es „gegen die Lehren der Kirche“

Auch wollte die Webseite von der Diözese wissen, „ob man ausschließen könne, dass bei dieser Veranstaltung gegen die Lehre der Kirche agiert werde“. Der Pressesprecher der Diözese Graz-Seckau wies in seiner Antwort darauf hin „dass wir uns gemäß dem Katechismus der Katholischen Kirche jedenfalls in der Pflicht sehen, Homosexuellen mit ‚Achtung, Mitgefühl und Takt zu begegnen‘“.

Was die konservativen Kräfte besonders stört ist, dass am Podium der Veranstaltung auch die bekannte Sexualpädagogin Gabriele Rothuber sitzt. Sie ist anerkannte Sexualberaterin, Geschäftsführerin der Fachstelle „Selbstbewusst“ – und Obfrau der HOSI Salzburg. Diese hatte im Juli 2018 die internen Unterlagen des Vereins „TeenStar“ öffentlich gemacht, der unter erzkonservativen Anhängern große Unterstützung genießt.

Nach dem Fall TeenStar haben konservative Kreise ein großes Problem mit der HOSI Salzburg

Unter anderem veröffentlichte die HOSI Salzburg interne Unterlagen, in denen unter anderem Homosexualität als heilbare Störung bezeichnet wurde, „oft durch eine Kombination von Therapie, speziellen Selbsthilfegruppen und geschulter Seelsorge“, wie es im Einführungstext zum Thema Homosexualität heißt. Der Verein selbst nannte das Material später „veraltet“.

Doch das Bildungsministerium verbannte den Verein, der von der österreichischen Bischofskonferenz großzügig gefördert wurde, nach einem großen öffentlichen Aufschrei vorübergehend von Österreichs Schulen. Nun arbeitet er an einer Wiederzulassung, um mit einer „Sexualpädagogik im Einklang mit dem christlichen Menschenbild“ der „Frühsexualisierung“ von Kindern entgegenzuwirken.

Die Salzburger Menschenrechtsaktivisten sind eine „aggressive Gaylobby-Gruppe“, heißt es

Dass die HOSI Salzburg einem ihr nahestehenden Verein die Arbeit so erschwert hat, dürften erzkonservative Kirchenkreise der Salzburger LGBTIQ-Menschenrechtsorganisation nicht vergessen haben. „Die Gruppierung gilt als agressive (sic!) Gaylobby-Gruppe, die völlig im Kontrast zur katholischen Kirche steht“, schreibt kath.net.

Die als liberal geltende Diözese Graz-Seckau dürfte das allerdings wenig beeindrucken. Sie will an der Veranstaltung „Sexualitäten 2020 – Faktencheck“ festhalten – und dazu auch weiterhin HOSI-Salzburg-Obfrau Gabriele Rothuber als Expertin einladen.